Der Weg der schnellen, kleinen Schritte

Der Weg der schnellen, kleinen Schritte
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November 2015

 

Mit seiner dualen Strategie legt Bosch Rexroth den Fokus auf wirtschaftlich sinnvolle Industrie-4.0-Lösungen.

Als Automatisierungsspezialist beschäftigt sich Bosch Rexroth schon seit Ende der Siebzigerjahre mit dem Thema „dezentrale Intelligenz“ in den Produkten. Damals brachte das Unternehmen die ersten rein elektrischen Servomotoren auf den Markt, arbeitete intensiv an Multiachssteuerungen und löste damit nach und nach die zentrale Intelligenz mit hohem Mechanikanteil ab. Eine Entwicklung, die einen vorläufigen Höhepunkt findet mit Produkten wie den intelligenten schaltschranklosen Antrieben IndraDrive Mi, der Schnittstellentechnologie Open Core Engineering, die durch erweiterten Zugriff auf den Steuerungskern völlig neue Freiheitsgrade eröffnet und die SPS-Automation mit der Informationstechnologie verbindet, oder der neuen Generation von IAC Multi-Ethernet-Regelventilen, die es Maschinenherstellern ermöglicht, intelligente hydraulische Antriebe mit identischer Hardware in die unterschiedlichsten Automatisierungsumgebungen zu integrieren.

Dieses Know-how fließt auch in die mit einem „Industrie 4.0 Award“ ausgezeichnete Multiproduktlinie für die eigene variantenreiche Fertigung von Hydraulikventilen ein. Darin kommen vernetzungsfähige Produkte aller Antriebs- und Steuerungstechnologien zum Einsatz. Die intelligenten Montagestationen stellen sich nicht nur individuell auf jeden Mitarbeiter ein, sie kommunizieren beispielsweise über RFID-Tags mit der Unternehmens-IT. Eingesetzt werden dabei Identifikations- und Datenträgersysteme wie das ID 200. Alle Werkzeuge sind mit den Daten verbunden. So konnte die Produktivität bereits um zehn Prozent gesteigert und die Bestände um 30 Prozent reduziert werden.

Auch in der eigenen Lackieranlage für Motoren im schwedischen Mellansel „sprechen“ die Produkte per RFID-Chip mit der Fertigungssteuerung. Jeder Motor speist automatisch und berührungslos Typbeschreibung, aktuelle Position und die noch notwendigen Arbeitsschritte ins Netzwerk. Individuell nach dem Kundenwunsch beschichtete und lackierte Produkte sind so einfach und wirtschaftlich umsetzbar – und auch der Kundendienst erfolgt zielgerichtet und exakt zum benötigten Zeitpunkt.

Bosch Rexroth sammelt in Projekten wie der Multi-produktlinie oder der eigenen Lackiererei wertvolle Anwendungserfahrungen, bevor die Lösungen den Kunden angeboten werden. „Wir sind sowohl Leitanwender als auch Leitanbieter bei der vernetzten Fertigung“, erläutert Steffen Haack, Mitglied des Vorstands von Bosch Rexroth, die duale Strategie. „So loten wir die technischen Möglichkeiten aus und setzen in kleinen, schnellen Schritten um, was wirtschaftlich Sinn macht.“

Diese Erfahrungen fließen dann in Entwicklungen wie das neue Dienstleistungspaket Online Diagnostics Network (ODiN) ein. Das System überwacht die Betriebszustände hydraulischer Systeme kontinuierlich und kann notwendige Wartungs- und Reparaturmaßnahmen einleiten, bevor ein Komponentenausfall einen Anlagenstillstand verursacht. Das ist besonders für die Betreiber großer Anlagen, wie in der Papier-, Minen- oder Offshoreindustrie, interessant, bei denen ein Stillstand hohe Kosten verursacht. Auch das Condition Monitoring des Hydraulikaggregats ABPAC ermöglicht es Anwendern, den aktuellen Systemzustand mit berechtigten Smart Devices einzusehen und die Wartung entsprechend zu planen.