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Mit effizienter Hydraulik auf den Eiffelturm

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Juli 2016

 

Bei der Erneuerung des Aufzugs im Westpfeiler des Eiffelturms setzten die Betreiber auf Know-how von Bosch Rexroth.

Dr. Olivier Ismeurt beugt sich über die vergilbten Originalkonstruktionszeichnungen. Der Projektleiter für die Modernisierung der Hydraulik des Aufzugs im Eiffelturm bewundert die Detailzeichnungen der Komponenten. „Aber es gibt keinen Schaltplan des Gesamtsystems und durch Umbauten in den 1980er-Jahren war der Originalzustand nicht mehr vorhanden.“ Gemeinsam mit seinem Team und der Betreibergesellschaft Société d’Exploitation de la Tour Eiffel, SETE, untersuchte und rekonstruierte er die ursprüngliche technische Lösung aus den Kindertagen industrieller Hydraulik.

Geniale Ingenieursleistung

Mit mehr als 250 Millionen Besuchern seit der Eröffnung 1889 ist der Eiffelturm das weltweit meistbesuchte Bauwerk der Welt. Schon sehr früh transportierten Fahrstühle die Menschen sicher und bequem in die Höhe. Jetzt hat Bosch Rexroth das komplette Hydrauliksystem des Aufzugs im Westpfeiler modernisiert. Der indirekte hydraulische Antrieb folgt der Konstruktionsidee von Gustave Eiffel. „Die damaligen Ingenieure waren genial und haben eine äußerst zuverlässige Lösung mit einfachsten Berechnungs- und Fertigungsmethoden entwickelt“, betont Ismeurt. Für das Umbauprojekt konnte Rexroth dagegen modernste Simulationssoftware nutzen und überprüfte damit vorab das statische und dynamische Verhalten des Gesamtsystems aus Hydraulik, Mecha­nik und Steuerung. So sicherte das Team die richtige Dimensionierung und Funktion aller Hydraulikkomponenten sowie des Gesamtsystems ab.

Mit effizienter Hydraulik auf den Eiffelturm
 

Ein Viertel weniger Energie

Das modernisierte Hydrauliksystem nimmt die Originalkonfiguration mit zwei Liftzylindern und drei Druckspeicherzylindern auf. Anders als im Originalsystem steuern aber nicht Ventile die Auf- und Abwärtsfahrten, sondern Verstellpumpen. Dadurch verbraucht der Aufzug, der heute stündlich bis zu 1.000 Passagiere befördert, rund 25 Prozent weniger Energie als die historische Lösung. Eine besondere Herausforderung für die Spezialisten von Bosch Rexroth: Der unterirdische Pumpenraum, in dem ein Teil des hydraulischen Antriebssystems eingebaut wurde, ist nur über einen relativ kleinen Lastenaufzug zu erreichen. Deshalb mussten sie die Rexroth-Komponenten teilweise auseinanderbauen und im Pumpenraum wieder zusammensetzen. Auch der Zugang zum Maschinenraum, in den die Zylinder eingebaut werden mussten, war nicht einfach. „Ich werde sicher nie vergessen, wie die 18 Meter langen Druckzylinder zentimetergenau in den Maschinenraum abgesenkt wurden“, erinnert sich Olivier Soret, bei Bosch Rexroth in Frankreich für die Inbetriebnahme der Eiffelturm-Hydraulik zuständig.