Weihnachten im Walzwerk

Marginale Spalte

Auch bei der Sicherheitssteuerung alles im Griff.

Und was machen Sie so über die Feiertage? Ingenieure von Bosch Rexroth bringen die Sicherheitstechnik einer Anlage von Wickeder Westfalenstahl auf den neuesten Stand.

November 2013

 

Vor einem Jahr verbrachten einige Service-Ingenieure von Bosch Rexroth ihre Weihnachtsfeiertage anders als gewohnt: Sie organisierten und koordinierten die sicherheitstechnische Modernisierung eines Stahlwalzwerks. In nur zwei Wochen.

 
 

Anfang November 2012 bekommt der Service Fabrikautomation von Bosch Rexroth einen Auftrag auf den Schreibtisch: Wickeder Westfalenstahl möchte die Sicherheitstechnik seiner Walzwerkanlage auf den Stand der internationalen Normen bringen. Umfang des Auftrags: Umsetzung des Sicherheitskonzepts, Steuerung des Gesamtprojekts, Umsetzung und Inbetriebnahme; dazu die Koordinierung weiterer zehn beteiligter Unternehmen sowie die Baustellenüberwachung. Zeit dafür: 14 Tage. Start: am 20. Dezember, während der Weihnachtsbetriebsferien, wenn die Wickeder Maschinen ohnehin stillstehen.

„Da musste ich erst mal schlucken“, erklärt Johannes Toloczyki, Projektleiter für Maschinensicherheit bei Bosch Rexroth. „Der größte Auftrag für uns als Generalunternehmen im Bereich Maschinensicherheit liegt da vor uns – und soll in Rekordzeit umgesetzt werden. Doch nach Absprache mit Kollegen und Subunternehmen waren wir sicher: Das kriegen wir hin. Wenn alle Vollgas geben.“

Gemeinsam gegen die Zeit

Bei diesem Auftrag geht es um drei Einzelgewerke, die 4,5 Millimeter dickes Stahlband allein durch hydraulische Kraft zu bis zu 0,05 Millimeter dünnem Blech oder Stahlfolie umformen. Dabei wird das Band unter der Walze ständig auf- und abgewickelt, bis es dünn genug ist – mit einer Geschwindigkeit von 60 Stunden­kilometern. Die enormen Kräfte, die dabei wirken, und das scharfkantige, rasende Material erfordern einen zuverlässigen Schutz der Maschinenbediener.

Vor der entscheidenden Umsetzungsphase arbeitet das Team Maschinensicherheit von Bosch Rexroth schon gegen die verrinnenden Tage an und erstellt die Umsetzungspläne. Toloczyki und seine Kollegen begehen die Anlagen, erstellen und verwerfen Zeitpläne, beurteilen Risiken, überprüfen rechtliche Rahmenbedingungen und Normen, kontaktieren Statikprüfstellen. Für den Baustellenschutz richten sie eine Sanitätsstelle ein und organisieren zusammen mit externen Dienstleistern den Brandschutz der Baustelle.

Die Serviceleute von Bosch Rexroth schreiben Dienstpläne, buchen Lkw und Hotels, richten Werkzeug her – kurz: Die gesamte organisatorische Verantwortung liegt allein in den Händen des Teams Maschinensicherheit.

Hier gähnt keiner

Am 20. Dezember leuchten auf dem Werksgelände von Wickeder Westfalenstahl die Lichter aus dem Rexroth-Bürocontainer in den Wintermorgen. Die Kollegen besprechen ein letztes Mal den Ablauf. Es ist eigentlich viel zu früh. Doch hier gähnt keiner. Alle arbeiten auf Hochtouren. Der Zeitplan ist straff. Nun geht es richtig los. Jetzt müssen alle Rädchen ineinandergreifen. Bis zu 55 Menschen sind vor Ort und wollen loslegen.

Dort, wo der TÜV bei der Risikoanalyse entsprechende Performance Level ermittelt hat, installieren sie Überwachungsfunktionen. Hydrauliksysteme werden aus Sicherheitsgründen zweikanalig ausgeführt und mit Rexroth-Ventilen ausgestattet, die eine mittlere Ausfallwahrscheinlichkeit von 150 Jahren haben.

Die Fachkräfte installieren Hydrauliksperrventile mit Stellungsüberwachung und Druckmessung, integrieren Nothaltefunktionen bei Hubeinrichtungen und sichere Steuerung. Die Männer koordinieren zusammen mit dem Auftraggeber den Aus- und Einbau eines 27 Tonnen schweren Motors, legen Sensoren aus und kümmern sich um den Schaltanlagenbau. Bei der Elektrik und Automatisierung programmieren die Spezialisten von Bosch Rexroth die Sicherheitssteuerung, zum Beispiel von Toren, und binden alles an die Leitwarte des Walzwerks an.

Immer mittendrin: das Team von Bosch Rexroth. Es beantwortet Fragen, trifft Entscheidungen, koordiniert, hat den Blick fürs Große und vertieft sich ins Detail, wechselt von einem Fachgebiet ins andere.

Entspanntes Silvester

Der Einsatz endet mit einem überraschenden Erfolg: Schon am 31. Dezember sind alle Arbeiten erledigt – zwei Tage früher als geplant. Bosch Rexroth übergibt die Dokumentation und die Validierungsdokumente auf der Basis der Software von Sistema und Eplan. So kann Wickeder Westfalenstahl das komplette Projekt unkompliziert und normgerecht in den eigenen Datenbestand übernehmen.