Der Straßenleger

Marginale Spalte

Juli 2011

 

Hydraulik und Elektronik aus einem Guss: Mit moderner Produktionsstrategie fährt die neue Serie von Dynapac-Straßenfertigern auf die Überholspur.

 
 

Jährlich entstehen weltweit Zehntausende Kilometer Straßen. Doch bevor andere darauf fahren können, muss erst einer seine Arbeit vollenden: Der Straßenfertiger legt den Asphalt wie eine schwarze Decke auf die vorbereitete Tragschicht. Dabei verarbeitet er stündlich bis zu 1.100 Tonnen Material.

Eine Mammutaufgabe, für Mensch wie Maschine, weshalb Dynapac bei der neuen Generation von Straßenfertigern genauso viel Wert auf Leistungsfähigkeit wie auf Anwenderfreundlichkeit legte. Die Dynapac GmbH, einer der Global Play- er im Baumaschinengeschäft, setzt mit der intelligenten Verbindung von Elektronik und Hydraulik Maßstäbe. „Wir führen ein modulares Bauprinzip ein, das wir auch für andere Modelle nutzen werden“, verrät Geschäftsführer Thorsten Bode.

Die ersten sechs Varianten sind nun marktreif – zwei Modelle mit elektromechanischer Steuerung und vier mit SPS-Steuerung. Bei der Auswahl der integrierten Komponenten ging Dynapac mit den Zulieferern neue Wege.

Neues Hydraulikkonzept

Soweit möglich, ist die Hydraulik wartungsfreundlich an der Seite der Maschinen platziert.
Foto: Dynapac GmbH

 

„Wir haben frühzeitig für die drei zentralen Systeme Verbrennungsmotor, Hydraulik und Bohlensteuerung Partner ausge wählt, mit denen wir sehr intensiv zusammenarbeiteten“, erläutert der Manager für Design und Development, Carsten Bernhardt. Die Entscheidung zur Projektpartnerschaft mit Rex roth fiel nicht zuletzt aufgrund der schon fast zwanzig Jahre währenden erfolgreichen Zusammenarbeit.

Als Projektleiter fungierte Thomas Müller vom Rexroth-Branchenmanagement Straßenbaumaschinen. Er übernahm für Dynapac die Koordination aller Gewerke, Produkte und Standorte. „So haben wir unser langjähriges, branchenübergreifendes Know-how in die Projektierung mit eingebracht“, sagt Müller.

„Auf diese Weise konnte ich je nach Bedarf gezielt die richtigen Experten aus unserem Haus in das Projekt mit einbinden.“ Diese fanden für jede Teilfrage immer die beste Lösung – schnell und ohne zusätzlichen Kommunikationsaufwand für den Kunden. Herausgekommen ist dabei ein Hydraulikkonzept, das nicht nur mit hoher Leistungsfähigkeit, sondern auch mit besonderer Wartungsfreundlichkeit überzeugt. Soweit irgend möglich, sind sämtliche hydraulische Komponenten baulich so zusammengefasst, dass sie für den Mechaniker optimal zugänglich sind.

Besser steuern

Die Rexroth-Zentralelektronik ermöglicht Maßnahmen, um Energieverbrauch und Geräuschemission erheblich zu senken.
Foto: Dynapac GmbH

 

Die Elektronik steht dem in nichts nach: Dynapac verwirklichte für den neuen Straßenfertiger ein modulares Steuerungskonzept, das bei kleineren Geräten den elektrohydraulischen Fahrantrieb übernimmt und bei den vier größeren Maschinen die gesamte Maschinensteuerung abbildet.

Ein Großteil der Entwicklungszeit von mehreren Mannjahren floss in die individuelle Anpassung und Umsetzung der Steuerungsfunktionen. Dieser Aufwand hat sich laut dem verantwortlichen Projektmanager Eberhard Lürding aus einem ganz bestimmten Grund gelohnt: „Wir wollten keine separaten Elektronikeinheiten ver wenden, die jeweils über unterschiedliche Schnittstellen und Tools zu benutzen sind.“

Deshalb entwickelte Rexroth eine Zentralelektronik, in die auch Fremdsysteme wie die Steuerung von Bohlenheizung und -funktionen eingebunden sind. Lediglich für die Nivellierung ist ein weiterer Prozessrechner notwendig, der aber ebenfalls mit der Rexroth-Zentralelektronik Informationen austauscht.

Mit neuen Features überzeugen

Mittels der Zentralelektronik konnten die Entwickler eine ganze Reihe von Funktionen verwirklichen, die dem Baustellenpersonal den Alltag erleichtern. Der vom Fahrer wählbare Modus „Variospeed“ passt die Dieseldrehzahl automatisch dem aktuellen Leistungsbedarf an. Dasselbe Prinzip verwendet der hydraulisch angetriebene Lüfter, der sich immer selbst auf den optimalen Betriebspunkt reguliert.

Der Straßenfertiger arbeitet so nicht nur wirtschaftlicher, sondern schont auch das Gehör von Bauarbeitern und Baustellenanwohnern. Die Funktion „Safe Impact“ erleichtert darüber hinaus das Nachfüllen von Arbeitsmaterial im laufenden Betrieb: „Wenn die Lkw, die den Asphalt in den Vorratsbehälter des Fertigers füllen, unsanft andocken, führt der Stoß zu einer Unebenheit im Decken- bild“, erklärt Carsten Bernhardt. „Wir bieten als Option eine hydraulisch gedämpfte Schubrolle, die solche Stöße dämpft und damit zu einer ebenen Asphaltdecke beiträgt.“

Auch im Fahrerstand lag das Hauptaugenmerk auf Anwenderfreundlichkeit. Bei den SPS-gesteuerten Maschinen hat Dynapac auf der Basis des BODAS-DI3-Farbdisplays ein für die Fahrer intuitiv verständliches Bedienmenü implementiert. Im Steuerungskonzept sind die Funktionen für die Radfertiger, die von Dynapac in den kommenden Monaten vorgestellt werden, schon angelegt.

Vor seiner Markteinführung bewährte sich der neue Dynapac Straßenfertiger bei zahlreichen Praxistests.
Foto: Dynapac GmbH

 

Die Arbeitsfunktionen dieser Baureihen sind gleich, die Fahrfunktionen hingegen weichen stark ab. So werden die Maschinen erstmals mit einer Retarderfunktion sowie dem neuen hydraulischen Hochleistungsbremssystem HLB von Rexroth ausgestattet sein. Dadurch ergibt sich eine gut dosierbare Bremswirkung mit geringem Verschleiß. Außerdem ist in das System ein wirksamer Überdrehzahlschutz für den Verbrennungsmotor integriert.

Weniger Teile, mehr Service

Die angestrebte Gleichteilepolitik von Dynapac ist mit den neuen Straßenfertigern also realisiert. „Wir konnten die Teilevielfalt um rund 30 Prozent reduzieren“, bilanziert Purchasing und Logistics Manager Thomas Matten. „Das vereinfacht die Logistik und Montage, erhöht aber auch die Teileverfügbarkeit im weltweiten Service.“ Die Verantwortlichen sind mit der neuen Art der Kooperation überaus zufrieden – genauso wie die Kunden. Alle Straßenbaubetriebe, denen die Nullserie zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde, sind hellauf begeistert. Lob kam sogar aus einer ganz unerwarteten Richtung, wie Produktmanager Volker Behrens berichtet: „Selbst vom Wettbewerb gibt es Komplimente.“