Marginale Spalte

Fliegender Wechsel

März 2011

 

Eine neue Siebdruckmaschine von Kammann verkürzt die Umrüstzeit des Farbwerks auf ein Minimum und spart dadurch Geld.

 
 

Eine Stunde – so lange dauert es bei der Universal-Siebdruckmaschine K15 CNC höchstens, um von einem Auftrag auf den nächsten umzurüsten. Konventionelle Maschinen brauchen dafür bis zu vier Stunden inklusive vieler mechanischer Arbeiten. Ein einziger Wechsel halbiert daher die tatsächliche Laufzeit während einer Schicht.

Genau an dieser Stelle setzt der deutsche Hersteller Werner Kammann Maschinenfabrik GmbH & Co. mit einem Konzept aus Rexroth-Lösungen an. Vor allem bei kleineren Losgrößen erhöhe sich damit die Produktivität erheblich, betont Ralf Fischer, Projektleiter Entwicklung und Konstruktion bei Kammann: „Mit unserer Maschine drucken die Kunden schon nach höchstens 60 Minuten den nächsten Auftrag an.“

Freie Farbwahl

Glas, Metall und Kunststoff – das Siebdruckverfahren kommt bei Produkten aus vielen verschiedenen Materialien zum Einsatz. Jedes Material bringt dabei seine Eigenheiten mit und erfordert spezielle Farben. Zwei Aufträge lassen sich deshalb selten mit demselben Farbwerk fahren. Für den schnellen Wechsel setzen die Entwickler von Kammann konsequent auf die Automatisierungslösung IndraMotion for Printing von Rexroth.

Durch das modulare Konzept kann der Anwender die Bestückung der einzelnen Druckpositionen nahezu frei bestimmen und so flexibel auf den jeweiligen Auftrag abstimmen. „Die K15 CNC bietet dann beispielsweise Platz für bis zu zehn UV-Farbwerke oder zwölf thermoplastische Farben“, so Fischer. Eine Software steuert die Umstellung von einem Produkt auf das andere, sämtliche motorintegrierten Antriebe fahren selbstständig auf ihre neue Position. Der Bediener muss nur noch Druckwerke und Verarbeitungsstationen mittels Schnellwechselsystem austauschen.

Stellt der Bediener für das Umrüsten auf einen neuen Auftrag die dafür entscheidenden Antriebe ein, muss die Maschine nicht komplett angehalten werden, da das ISO-zertifizierte „Safety on Board“ auch die Funktionen „Sicher reduzierte Geschwindigkeit“ sowie „Sicherer Betriebshalt“ beinhaltet.

Die Rexroth Motion Control koordiniert dabei nicht nur die Abstimmung der Antriebe untereinander, sondern steuert auch die Roboterfunktionalität der K15 CNC. Roboter übernehmen das Be- und Entladen der Druckmaschine, sodass sie sich nahtlos in jede Produktionsstrecke einfügen lässt. Aber nicht nur die Mechanik ist effizient und bedienerfreundlich: Die Software bringt drucktypische Funktionen wie stufenlose Format- oder Druckmarkenregelungen schon ab Werk mit.

Weitere Einstellungen, etwa, um zylindrische oder ovale Körper zu bedrucken, nimmt der Nutzer über eine einfache Benutzeroberfläche vor. „Wir haben sie so gestaltet, dass der Anwender im Betrieb keine Vorkenntnisse zur Programmierung benötigt“, erläutert Wilhelm Glauber vom Kammann-Vertrieb. Das Tool baut zwar auf PLCopen-Bausteinen auf, die Eingaben erfolgen jedoch über simple grafische Elemente.

Schnell, sicher, sparsam

Die K15 CNC läuft nicht nur schneller als andere Lösungen, sondern auch energieeffizienter. „Wir kommen mit rund 50 Prozent weniger Schaltschrankvolumen aus“, betont Ralf Fischer. Dadurch reduziert sich die notwendige Kühlleistung erheblich. Die motorintegrierten Antriebssysteme IndraDrive Mi ermöglichen diese kompakte Bauweise. Ein einziges Hybridkabel reicht aus, um bis zu 20 von ihnen flexibel in einem Antriebsstrang hintereinander zu schalten. Das spart bis zu 85 Prozent Verkabelungsaufwand.

Als weiteren Vorteil nennt Fischer die besonders effiziente Bedarfsregelung: „Während konventionelle Maschinen mit festen Werten arbeiten, passt die K15 CNC den Energieaufwand immer dem aktuellen Prozess an.“ Die ückspeisefähigen Servoantriebe gewinnen dabei die Bremsenergie zurück und stellen sie anderen Antrieben zur Verfügung. Über IndraMotion for Printing hinaus setzt Kammann auf Lineartechnik von Rexroth.

Die vielen handfesten Vorteile der Druckmaschine überzeugten bereits bei den ersten Präsentationen. „Wir haben schon viele Kunden zum Nachdenken veranlasst“, berichtet Wilhelm Glauber. „Gerade die Flexibilität durch die kurzen Umrüstzeiten ist in der Praxis mit immer kleineren Auftragsgrößen der effektivste Ansatz, Geld zu sparen.“