Marginale Spalte

Wohnblock mit 68.000 Pferdestärken: ein Schiffsgroßdiesel in der Endfertigung bei CMD.

Zuverlässigkeit ganz groß

November 2012

 

Der chinesische Motorenhersteller CSSC-MES Diesel halbiert mit modularen Systemlösungen die Lieferzeiten für seine Schiffsgroßdiesel.

 
 

Große Schiffe brauchen große Antriebe. Die baut der chinesische Motorenhersteller Shanghai CSSC-MES Diesel Co. Ltd. (CMD): langsam laufende Hochleistungsdiesel mit einem Zylinderdurchmesser von 980 Millimetern, einer Drehzahl von 97 Umdrehungen in der Minute und einer Leistung von 50.000 Kilowatt. Die Betriebssicherheit hängt auch von wichtigen Steuergeräten wie einem Ventiloder Notsteuerungskasten auf der Schiffsbrücke und im Maschinenraum ab.

Einer fürs Ganze

Allerdings funktionierte die fristgerechte Anlieferung und Montage dieser Subsysteme nicht wie von CMD gewünscht. Daher suchte das Unternehmen nach einer Lösung. „Das Zusammenbauen von Ventilsteuerungskästen ist ein aufwendiger Prozess, der großer Sorgfalt bedarf und meist nur ein enges Zeitfenster bietet“, erklärt Zexin Fang, Projektleiter Einkauf bei CMD. „Deshalb haben wir sehr intensiv nach einem qualifizierten Lieferanten gesucht, der diese Integrationsarbeiten zuverlässig übernehmen kann.“

Genau zur selben Zeit stellte einer seiner Lieferanten auf modulare Systemlösungen um: Bosch Rexroth. Das Unternehmen lieferte bis dahin unterschiedliche Ventile und die wichtigen Variable-Injection-Timing-Kontrolleinheiten, die den exakten Zeitpunkt für das Einspritzen des Schweröls in den Motor steuern, ihn starten, stoppen und seine Drehrichtung umkehren.

Die Richtungsumkehr leisten speziell für diese Anwendung entwickelte pneumatische Umsteuerzylinder. CMD war mit der zuverlässigen Zusammenarbeit so zufrieden, dass es die Montage der Subsysteme und ihre fristgerechter Lieferung an den Zulieferer übertrug – der die Abläufe gleich entscheidend optimierte.

Im Fertigungswerk Kangqiao in Shanghai hat Bosch Rexroth im Bereich Schiffstechnik Mitarbeiter mit den erforderlichen Fachkompetenzen, um dort den Ventilsteuerkasten zusammenzubauen. Nach den Kundenwünschen wurden verschiedene Ventile in einen Schaltschrank integriert sowie Verrohrung und Gehäuse montiert. So erhielt CMD einen neuen, komplett modularen Ventilsteuerkasten.

Zeit und Geld sparen

Die engere Zusammenarbeit hat auch die Effizienz erhöht: Vorher musste der Motorenbauer zu den einzelnen Ventilkomponenten noch die passenden Verrohrungen und Gehäuse auswählen und sie selbst mit Ventilen bestücken, um den Kasten montieren zu können. Dazu kam die Suche nach Lieferanten. Seit Rexroth das komplette Modul liefert, hat sich die Durchlaufzeit beim Kunden halbiert: von bis zu vier Monaten auf lediglich zwei.

„Wir haben die benötigten Ein- und Ausgänge für Luft und Elektrik exakt ans Gehäuse gefertigt“, erläutert Yuan Wang, Manager für Anwendungen bei Bosch Rexroth, den Zeitgewinn. „So kann CMD nach Anlieferung die verlegten Leitungen ganz einfach direkt am Gehäuse anschließen und den Ventilsteuerkasten sofort in Betrieb nehmen – das spart enorm Zeit.“ Und Geld spart die Zusammenarbeit zudem, wie Zexin Fang betont: „Die Verbesserungen haben unsere Gesamtkosten beim Projekt um fünf Prozent gesenkt.“

Laufende Verbesserung

Know-how und langjährige Erfahrung von Rexroth im Bereich Steuerungskonstruktion haben sich auch bei der Umsetzung unterschiedlicher Endanwendungen ausgezahlt. Denn selbst wenn verschiedene Endkunden den gleichen Maschinentyp einsetzen, muss der Ventilsteuerkasten jeweils andere individuelle Anforderungen erfüllen.

Zudem geht die Optimierungsarbeit stetig weiter: Der Systemlieferant gibt die technischen Rückmeldungen von CMD an seine Konstrukteure weiter und verbessert so die Ventilsteuerkästen laufend. Dabei wird stets die gesamte Systemlösung betrachtet und jedes Detail in Augenschein genommen.

Beispielsweise wurden zur besseren Bedienbarkeit alle Anschlussteile am Gehäuse beschriftet und die entsprechenden Zeichnungen beigefügt, damit die Endanwender den Steuerkasten gegebenenfalls selbst leicht reparieren können. Damit es dazu erst gar nicht kommt, entwickelt und testet Rexroth alle verbauten Komponenten nach Vorgaben der Schiffs klassifikationsgesellschaften.

Durch eine entsprechende Abnahme lässt sich dieser Prozess jederzeit für den späteren Eigentümer und Schiffsbetreiber nachweisen. Das ist deshalb von großer Bedeutung, da inzwischen lokale Hersteller nachgebaute Komponenten minderer Qualität anbieten, die zu einem Totalausfall des Gesamtsystems führen können. Eine unangenehme Überraschung, auf die man auf hoher See verzichten kann.