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Werkzeugmaschine der Baureihe BA W06 von Schwäbische Werkzeugmaschinen.
Werkzeugmaschine der Baureihe BA W06 von Schwäbische Werkzeugmaschinen.
Lineartechnik

Thermisch stabil

Schwäbische Werkzeugmaschinen (SW) hebt die hochpräzise Werkstückbearbeitung auf ein neues Niveau und spart dabei Bauraum und Kosten. Wie? Mit der neuen Temperierungsoption TCRS von Bosch Rexroth, denn die ist direkt in die Linearführung integriert und benötigt keine Zusatzkomponenten.

Sie gehören zu den schnellsten Bearbeitungszentren auf dem Markt: Die BA W06 / BA W08 von SW. In Windeseile fertigen sie hochpräzise Bauteile aus Aluminiumlegierungen – Flugzeug- und Fahrzeugteile oder Batteriegehäuse. Die Grundlage für minimale Zykluszeiten bilden bewährte Konstruktionsprinzipien wie der Monoblock, die „Dreiachseinheit“ in Box-in-Box-Bauweise oder der schwenkbare Vorrichtungsträger für hauptzeitparalleles Be- und Entladen. Auf diese Weise kann SW die Maschinensteifigkeit bei geringster eingesetzter Masse erhöhen und unproduktive Nebenzeiten reduzieren.

Herausforderung: Hoher Wärmeeintrag, wenig Masse

Die schnelle Positionierung entlang der drei Achsen übernehmen hochdynamische Linearmotoren. Ungünstiger Nebeneffekt: viel Abwärme, die zwingend aus der Maschine abgeführt werden muss. „Ein leistungsfähiger Wärmehaushalt ist für uns deshalb so wichtig, weil die gewichtsoptimierte Dreiachseinheit in Box-in-Box-Bauweise mit dünnwandigen Schweißkonstruktionen nur wenig Wärme aufnehmen kann“, erklärt Mixner. „Ohne Temperierung würde die dynamische Leistungsabgabe der Linearmotoren schnell zu thermischen Verformungen führen.“

Lösung: Wärme über die Linearführung ableiten

Um die Positioniergenauigkeit kontinuierlich zu steigern, arbeitet SW seit Jahren intensiv an der Verbesserung der thermischen Stabilität über den vorhandenen Präzisionskühlkreislauf. „Wir sehen in der thermischen Genauigkeit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil in der Präzisionsbearbeitung“, so Marcus Mixner. „Nach ersten Versuchen und Optimierungen mit dem Z-Schlitten, der in den Arbeitsraum hineinfährt, konzentrieren wir uns nun auf die Temperierung der Führung in der vertikalen Hauptachse, die die X- und Z-Schlitten trägt.“

Die entscheidende Lösung für eine gleichermaßen wirtschaftliche wie bauraumneutrale Umsetzung kommt vom langjährigen Lineartechnik-Partner Bosch Rexroth: Das patentierte Thermo Compensating Rail System (TCRS) integriert die Temperierungsfunktion als optionales Feature direkt in die gewählte Rollen- oder Kugelschienenführung. Das Prinzip ist simpel, aber wirkungsvoll: Bei gewählter TCRS-Option verfügt die Unterseite der Führungsschiene über zwei Nuten zur Aufnahme handelsüblicher Rohrleitungen, die an den Kühlkreislauf der Maschine angeschlossen werden. Durch die direkte Wärmeabfuhr aus der Linearführung lassen sich thermische Effekte auf einfache Weise kompensieren, so dass Maßschwankungen im Prozess und damit die Ausschussquote reduziert, Material eingespart und die Taktzeiten weiter verkürzt werden können.

Dank der bewährten und offenen Zusammenarbeit ist es uns gelungen, die thermische Genauigkeit im Vergleich zu den Vorgängermaschinen zu verdoppeln und damit international neue Maßstäbe zu setzen.

Marcus Mixner

Entwicklungsleiter bei SW

Hohe Kosteneffizienz in Konstruktion und Montage

Ohne die bauraumneutrale Temperierungsoption wären Konstruktion und Montage deutlich aufwändiger gewesen, da für die Kühlfunktion zusätzliche Bauteile wie Kühlrippen erforderlich gewesen wären. Da dies bei der integrierten Lösung von Bosch Rexroth abgesehen von der Verrohrung nicht der Fall ist und auch keine Arbeiten am Maschinenbett erforderlich sind, kann SW die thermische Kompensation mit minimalen Bau- und Betriebskosten realisieren. Da die TCRS-Führungsschiene die gleichen Abmessungen wie die Standardausführung hat, ist der Mehraufwand bei Konstruktion und Montage minimal. Auch die Montage ist gewohnt einfach, wobei Rexroth-typische Merkmale wie das Abdeckband zum Aufklipsen zusätzlich Zeit sparen.

Rollenführung mit integrierter Temperierungsfunktion: Nahaufnahme der integrierten Verrohrung mit roten und blauen Enden, daneben ein Tablet mit online Produktauswahl.

Rollenschienenführung RSHP mit integrierter Temperierungsfunktion: Das Thermo Compensating Rail System (TCRS) führt die durch Reibung und Linearmotoren eingebrachte Verlustenergie über eingelegte Rohrleitungen direkt aus der Linearführung ab. Diese wirtschaftliche und bauraumneutrale Lösung ermöglicht eine noch präzisere, stabilere und leistungsfähigere Fertigung. (Bild: Bosch Rexroth)

Getriebegehäuse

Höchste Präzision: Getriebegehäuse, gefertigt mit thermischer Stabilität auf dem Bearbeitungszentrum SW BA W08. (Bildquelle: SW)

Ultimative Präzision

Dank des ausgefeilten Wärmehaushalts erzielen die beiden Bearbeitungszentren mit den temperierten Führungsschienen von Bosch Rexroth eine außergewöhnlich hohe Genauigkeit, die in vielen Anwendungsbereichen gefordert ist. Unabhängig vom jeweiligen Werkstück und Prozess führen die integrierten Kühlleitungen die eingebrachte Verlustenergie aus den in der Hauptachse eingebauten Rollenschienenführungen ab. Durch das so stabilisierte Temperaturniveau erreichen die Bearbeitungszentren BA W06 und BA W08 in den Hauptachsen eine beachtliche Positioniergenauigkeit A (X / Y / Z) von kleiner 0,006 mm sowie eine Wiederholgenauigkeit R nach ISO 230-2 von weniger als 0,004 mm.

Mehr Gutteile in kleinen Losgrößen

Einen wichtigen Kundennutzen sieht Marcus Mixner auch in der schnelleren Herstellung von Gutteilen: „Der Markt verlangt zunehmend nach Maschinen für kleinere Losgrößen. Deshalb sind wir gefordert, die Zeitkonstanten so kurz wie möglich zu halten.“ Thermische Stabilität ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. Auf Basis von über zwei Jahre gesammelten Messdaten ist es SW gelungen, eine komplexe Kühlwassertemperierung zu entwickeln, die beim Betrieb mit hohen Geschwindigkeiten die auftretenden Temperaturspitzen „wegkühlt“. Dadurch kann der Ausschuss durchgängig minimiert werden. „Seit der Markteinführung der Bearbeitungszentren BA W06 und BA W08 gab es nur positive Rückmeldungen aus dem Feld“, berichtet Mixner.

Fortlaufende Innovationen

Mit der integrierten Temperierungslösung beweist SW einmal mehr die Fähigkeit, den unterschiedlichen Marktanforderungen immer wieder aufs Neue gerecht zu werden. Die Partnerschaft mit Bosch Rexroth hat dabei schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt. Ein Beispiel: die Einführung der Rollenschienenführung RSHP, deren Führungswagen die Wälzkörper über eine patentierte Einlaufzone langsam in die Maximalkraft überführen und so pulsationsarme Bewegungen ermöglichen. In Kombination mit der neuen TCRS-Führungsschiene profitieren SW-Kunden erneut von einer Qualitäts- und Leistungssteigerung.

Für Mixner bietet die flexibel einsetzbare Temperierungsoption noch viel Potenzial: „Wir arbeiten bereits an weiteren Anwendungen“, verrät Mixner. „Dabei schätzen wir auch die persönliche Beratung und das Know-how von Bosch Rexroth im Bereich Werkzeugmaschinen und Automation.“ Interessant findet Mixner unter anderem die Option, als dritte Funktion auch das Messen bauraumneutral in die Führung zu integrieren. Dafür hat Bosch Rexroth das integrierte Messsystem IMS im Programm.

„Gerade in der aktuellen Marktsituation sind innovative Lösungen und erfahrene Partner wie Bosch Rexroth sehr wichtig, um technisch und ökonomisch wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Mixner. „Dank der bewährten und offenen Zusammenarbeit ist es uns gelungen, die thermische Genauigkeit im Vergleich zu den Vorgängermaschinen zu verdoppeln und damit international neue Maßstäbe zu setzen.“

Welche Herausforderung haben Sie?

Klein, kostengünstig, mit Highspeed oder hochpräzise? Mit integrierter Messfunktion oder Temperierung? Finden Sie jetzt die richtige Lösung für Ihre Anwendung!

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Klaus Mandau



Autor: Klaus Mandau

Funktion: Vertrieb Lineartechnik, Account Development Manager bei Bosch Rexroth AG