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Lohr am Main, 10.02.2012

Chinas Maschinenmarkt im Wandel

Chinesische Maschinenbauer drängen ins High-end Segment

Innerhalb weniger Jahre hat China die Spitzenstellung als die größte Maschinenbaunation und gleichzeitig der größte Absatzmarkt für Maschinen gefestigt. Nach der Phase rasanten Wachstums vollzieht sich aktuell ein Paradigmenwechsel: Weg vom rein quantitativen zum qualitativen Wachstum. Das betrifft sowohl die volkswirtschaftliche Ausrichtung als auch die Unternehmens- und Produktstrategien der Maschinenbaubranche. Chinesische Unternehmen investieren – staatlich gefördert – stark in Innovationen und entwickeln zunehmend komplexere Maschinen. Technologisch prägen dabei zwei Megatrends die Richtung: Die chinesische Regierung hat im bis 2015 laufenden 5-Jahres-Plan anspruchsvolle Umweltziele definiert. Die chinesische Industrie kann diese Ziele nur erreichen, wenn sie energieeffizientere Maschinen und Anlagen einsetzt. Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem steigenden Automationsgrad in der Industrie. Er wird durch die demografische Entwicklung forciert. Um die gesteckten Ziele zu erreichen hat China den Maschinenbau zu einer Schlüsselindustrie erklärt. Staatlich gefördert zielen chinesische Hersteller auch auf die mittleren und High-end Segmente, die bislang von den etablierten Maschinenbauern in Europa, Japan, Korea und den USA dominiert werden. Das schafft die Voraussetzungen für Markterfolge außerhalb des Heimatmarktes.

Ende des 19. Jahrhunderts setzte die damals führende Industrienation Großbritannien durch, dass alle aus Deutschland eingeführten Produkte die Kennzeichnung „Made in Germany“ führen mussten. Was eigentlich die Verbraucher vor vermeintlich minderwertigen Waren schützen sollte, etablierte sich schon nach wenigen Jahrzehnten als Qualitätssiegel. Japan durchlief eine ähnliche Entwicklung in noch kürzerer Zeit. In den 60er und 70er Jahren standen japanische Produkte noch für billige Kopien. Schon in den 80er Jahren setzten die japanische Automobilindustrie und der Werkzeugmaschinenbau weltweit neue Maßstäbe.

China befindet sich heute auf einem ähnlichen Weg, auch im Maschinenbau. Nach Berechnungen der China Machinery Industry Federation hat die Maschinenproduktion in China 2010 die Marke von zwei Billionen US-Dollar überschritten. Das National Bureau Of Statistics of China hat für 2011 eine nochmalige Steigerung der inländischen Maschinenproduktion um 17,4 ermittelt. Noch konzentrieren sich zahlreiche Hersteller auf die unteren Marktsegmente mit vergleichsweise einfachen Maschinen. Aber mit zunehmender Marktsättigung steigen der Wettbewerbsdruck und die Qualitätsansprüche der Maschinenanwender. Als Ausweg streben immer mehr Maschinenhersteller in die mittleren und High-End-Segmente. Diese Strategie entspricht den Vorgaben des aktuellen 5-Jahres-Plans, der sieben Strategic Emerging Industries definiert, darunter den High-end Maschinen- und Anlagenbau. Diese Strategic Emerging Industries sollen durch Innovationen weltweit führende Positionen erobern.

Zwei Millionen Patente jährlich

Aktuell investiert die chinesische Industrie, besonders in den Strategic Emerging Industries massiv und staatlich gefördert in Forschung und Entwicklung. Der gültige 5-Jahres-Plan sieht eine Steigerung der Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen bis 2015 auf zwei Millionen jährlich vor. Erstmals fördert China auch die Zusammenarbeit von Privatunternehmen mit staatlichen Forschungseinrichtungen.

Wenn auch der Schwerpunkt der Patente traditionell eher in den Bereichen Telekommunikation, Informationstechnologie, alternative Energien oder Biotechnologie liegen wird, so fokussiert sich auch der Maschinenbau auf Innovationen. Ein Blick auf die Werkzeugmaschinenbranche zeigt den Wandel. 2010 produzierten chinesische Hersteller mehr als 220.000 Werkzeugmaschinen, vor allem einfache und kompakte Maschinen. Allerdings setzen sie dabei verstärkt auf modernste CNC-Automatisierungen und stoßen damit in neue Leistungsklassen vor. Mit genau auf die Anforderungen chinesischer Anwender angepassten Antriebs- und Steuerungslösungen erreichen sie in ihren neuesten Maschinengenerationen eine hohe Fertigungspräzision und sehr kurze Zykluszeiten. Gleichzeitig berücksichtigen sie das in weiten Teilen noch geringe Qualifikationsniveau und vereinfachen die Bedienung der Maschinen.

Zusätzlich streben immer mehr Hersteller analog zur Zielsetzung im 5-Jahres-Plan ausdrücklich in die höheren Marktsegmente. Sie haben in den vergangenen Jahren das Know-how dafür aufgebaut und verfügen über die notwendigen finanziellen Mittel. In den vergangenen zwei Jahren haben zahlreiche Hersteller komplexere CNC-Bearbeitungszentren vorgestellt. Sowohl mit den leistungsfähigen, für die Großserienproduktion optimierten, kompakten Werkzeugmaschinen als auch mit den anspruchsvolleren neuen Konzepten erobern die Hersteller zunehmend Märkte außerhalb Chinas. Dabei konzentrieren sie sich zunächst auf die benachbarten ASEAN Staaten sowie Afrika. 2010 exportierte China nach Angaben der China Chamber of Commerce for Import and Export of Machinery and Electronic Products (CCCME) Maschinen und Elektronik im Wert von 900 Milliarden US-Dollar. In zahlreichen Maschinenbau-Branchen ist China bereits unter den fünf Top-Exporteuren weltweit.

5-Jahres-Plan erzwingt höhere Energieeffizienz

Gleichzeitig setzt der aktuelle 5-Jahres-Plan anspruchsvolle Ziele im Bereich der Energieeffizienz in der gesamten Volkswirtschaft. Pro Einheit des Bruttosozialprodukts soll die Energieintensität der chinesischen Volkswirtschaft bis 2015 um 16 Prozent sinken. Dazu setzt die Regierung auch auf fiskalische Anreize und Sanktionen, die geringen Energieeinsatz belohnen und hohe Verbräuche mit zusätzlichen Abgaben belasten. Für Maschinenanwender in China rechnet sich damit die Investition in energieeffizientere Maschinen und Anlagen sehr schnell. Allein durch die Nachfragemacht als weltgrößter Maschinenmarkt wird diese Anforderung neue Maschinenkonzepte weltweit prägen.

So setzen beispielsweise die Hersteller von Kunststoffmaschinen bereits energieeffiziente drehzahlvariable Pumpenantriebe ein und senken damit den Energieverbrauch der Hydraulik um bis zu 70 Prozent. Bei einer chinesischen Jahresproduktion von allein rund 50.000 Spritzgießmaschinen erzielt dieser Ansatz in der Fläche erhebliche Einsparungen.

Automatisierungsgrad steigt

Ein weiterer Paradigmenwechsel zeichnet sich durch die demografische Entwicklung in China ab. Auf dem jährlichen China Summit der britischen Wirtschaftszeitung Economist hoben Experten im November 2011 hervor, dass sich die Zahl der ins Berufsleben einsteigenden jungen Menschen im Alter von 16 bis 24 bereits um rund 30 Prozent verringert hat. Die Arbeitskosten steigen schon seit mehreren Jahren in den industrialisierten Zentren, so dass immer mehr Unternehmen in das bisher weniger industrialisierte Hinterland abwandern. Eine verstärkte Mechanisierung der Landwirtschaft könnte den für die Industrie verfügbaren Arbeitskräftepool noch einmal um 20 Prozent steigern. Grundsätzlich waren aber 72 Prozent der teilnehmenden Industrievertreter der Veranstaltung überzeugt, dass China den Vorteil niedriger Lohnkosten bereits verloren hat.

Damit steigt, wie in den anderen Industriestaaten, der Rationalisierungsdruck mit einer Verlagerung menschlicher Arbeit auf Maschinen. Auf absehbare Zeit steigt der Automatisierungsgrad in chinesischen Fabriken deutlich. Das birgt für europäische Maschinenhersteller zusätzliche Chancen, denn sie liefern beispielsweise im Bereich der Werkzeug- oder Kunststoffmaschinen bereits heute die meisten Maschinen als komplette Fertigungszellen einschließlich Automatisierung aus.

Chinas Bedeutung im weltweiten Maschinenbau wird auch in den nächsten Jahren mit hoher Geschwindigkeit zunehmen. Staatlich geförderte Innovationen und neue Maschinenkonzepte für die mittleren und High-end-Segmente öffnen auf absehbare Zeit auch den Zugang zu den Märkten der etablierten Industrienationen. Eigenständige Entwicklungen werden sowohl eine hohe Energieeffizienz als auch eine konsequente Automatisierung der Nebenprozesse berücksichtigen und damit im höchsten Maße international wettbewerbsfähig sein. Gleichzeitig bietet der nach Berechnungen von Alix Partners rund 300 Milliarden US-Dollar große Maschinenmarkt für den europäischen Maschinenbau einzigartige Marktchancen.

Erfolgsbeispiel Bosch Rexroth

Bosch Rexroth hat früh erkannt, welche Potenziale und Chancen der Wandel in Asien birgt. Bereits seit Mitte der 1970er in China präsent, hat der Hersteller aller Antriebs- und Steuerungstechnologien sein Engagement kontinuierlich ausgebaut. An vier Standorten vereint Bosch Rexroth seine globalen mit lokalen Stärken: Chinesische Mitarbeiter entwickeln und produzieren auf Basis der weltweiten Produktplattformen nach deutschen Standards regionale Varianten mit vorwiegend in China eingekauften Zulieferteilen. Für Dr. Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, ist die lokale Wertschöpfung der zentrale Erfolgshebel: „Nur wer vor Ort regional angepasste Produkte entwickelt, sie dort fertigt und Service und Engineering-Dienstleistungen durch lokale Fach- und Führungskräfte bietet, kann in China erfolgreich wachsen.“

Mehr Informationen unter www.boschrexroth.com

 

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