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Lohr am Main, 24.02.2011

Dr. Karl Tragl

Dr. Karl Tragl

Frankreich ist bekannt für seine Haute Couture, das gute Essen, die abwechslungsreichen Landschaften und weltbekannten Kunstwerke. Aber auch aus industrieller Sicht bietet „La Grande Nation“ viel: So ist Frankreich heute unter den fünf größten Industrienationen der Welt vertreten und in Europa die klare Nummer zwei. Nicht nur das: neben Deutschland gilt Frankreich bereits als wichtigster Wachstumstreiber für Europa.

Frankreich hat 2009 schnell reagiert, um der weltweiten Krise entgegen zu wirken. So stellte die Regierung ein Konjunkturpaket über 39 Mrd. Euro zur Verfügung, das zum Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) in 2010 von geschätzten +1,5 % beitrug; für 2011 wird ein Anstieg des BIP um +2,0 % prognostiziert. 2009 erzielten Frankreichs rund 65 Mio. Einwohner ein BIP von etwa 1.919 Mrd. Euro (nominal). Das entsprach einer Veränderung zum Vorjahr von -2,6 %. Zum Vergleich: Deutschland erwirtschaftete 2009 ein BIP von 2.397 Mrd. Euro, musste aber einen Rückgang zum Vorjahr von -4,7 % (preisbereinigt, verkettet) in Kauf nehmen. Seit 1980 konnte Frankreich sein BIP vervierfachen und damit im internationalen Vergleich von Platz 6 auf Platz 5 klettern. Ein starker Wachstumstreiber ist dabei die Entwicklung industrieller Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit Umwelt und Ressourcen.

Anfang 2010 wurde außerdem eine "Große Staatsanleihe" über 35 Mrd. Euro beschlossen. Davon sind 11 Mrd. Euro für Hochschulen und Ausbildung, 8 Mrd. Euro für die Forschung, 6,5 Mrd. Euro für die gezielte Förderung von Industriesektoren, 5 Mrd. Euro für nachhaltige Entwicklung sowie 4,5 Mrd. Euro für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft bestimmt. Das Bildungswesen ist dabei schon immer ein zentraler Faktor in Frankreich. Als eine Folge hiervon sind die gut ausgebildeten französischen Ingenieure und Wissenschaftler im In- und Ausland sehr geschätzt.

Trendthemen Energie und Umwelt

Frankreich gehört zu den Ländern, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. So sieht das Umweltprogramm (Grenelle de l'environnement) im Zeitraum von 2009 bis 2020 Investitionen von über 440 Mrd. Euro vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die energetische Verbesserung von Altbauten, Sozialwohnungen und öffentlichen Gebäuden (192 Mrd. Euro) sowie die Förderung von erneuerbaren Energien (115 Mrd. Euro). Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung soll in diesem Zeitraum auf 23 % angehoben werden.

Stetiger Trend: Stromerzeugung aus Wasserkraft

Die umweltfreundliche Stromerzeugung aus Wasserkraft nimmt einen großen Stellenwert im Energiemix in Frankreich ein. So werden heute fast 12 % des nationalen Energiebedarfs mittels der regenerativen Energieerzeugung durch Wasserkraft abgedeckt. Frankreich ist mit durchschnittlich erzeugten 70 TWh dabei der zweitgrößte Energieerzeuger aus Wasserkraft in Europa nach Norwegen. Der Anteil der Energieerzeugung aus Wasserkraft soll bis 2020 auf 23 % ausgebaut werden. Hierfür unterzeichneten Mitte 2010 Vertreter aus Politik, Wasserwirtschaft und Umweltschutz ein Abkommen zur nachhaltigen Nutzung der Wasserkraft in Frankreich.

Photovoltaikmarkt stark wachsend

Der französische Photovoltaikmarkt verzeichnete in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum. Die installierte Leistung stieg von 2008 bis 2010 von 81 auf 850 MW. Laut dem Umweltplan sollen bis 2012 1,1 GW und bis 2020 5,4 GW installiert sein. Laut der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) verbesserte sich Frankreich hierdurch in 2009 – gemessen an der installierten Leistung – im weltweiten Ranking vom zwölften auf den siebten Rang. Das Wachstum dürfte sich fortsetzen, da derzeit bereits Projekte über 4,8 GW in der Warteschlange stehen. Dies entspricht einer Größenordnung, die dann schon dem Ziel von 2020 nahe käme.

Offensive bei Offshore-Windenergie

Windenergie stand im Atomstromland Frankreich bisher nicht im Vordergrund. Aus diesem Grund existiert derzeit auch noch keine solche Anlage. Dies soll sich zukünftig jedoch ändern. Seit Ende 2010 lanciert Frankreich mehrere Ausschreibungen für Offshore-Windenergieanlagen. Im Gesamtumfang von 6.000 MW bis 2020.

Die Leistung bereits installierter Windenergieanlagen in Frankreich betrug 2010 zirka 5,6 GW und hat sich somit seit 2006 mehr als verdoppelt. 2020 soll die installierte Leistung gemäß den Plänen der französischen Regierung 25.000 MW betragen. Eine von Capgemini Consulting im Auftrag der Umweltagentur Ademe erstellte Marktstudie erwartet in diesem Rahmen für die Windenergiebranche bis 2020 einen Anstieg der Beschäftigung von aktuell 10.000 auf rund 60.000 Mitarbeiter. Die Investitionen in diesem Zeitraum werden auf insgesamt zwischen 20 Mrd. bis 30 Mrd. Euro geschätzt. Etwa 140 Hersteller und Zulieferer, unter ihnen auch Bosch Rexroth als Spezialist für Getriebetechnik und hydraulische Antriebe, teilen sich derzeit den französischen Markt für Windenergie.

Wachstumsimpulse für Maschinen- und Anlagenbau

Die jüngsten Veröffentlichungen zu den enorm angestiegenen Geschäftsklimaindizes in Frankreich und Deutschland spiegeln die starken Wachstumstrends in den beiden Ländern wider. Die wichtigsten Handelsgüter für beide Länder sind dabei sowohl im Im- als auch im Export Autos und deren Teile, Maschinen, Werkstoffe, elektrotechnische und elektronische Produkte, Arzneimittel und Chemikalien.

Dr. Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, ist aus diesem Grund auch überzeugt von den Zukunftsaussichten in Frankreich: „Frankreich ist ein sehr wichtiger Markt für Bosch Rexroth mit einer starken Automobilindustrie, zahlreichen mittelständischen Maschinenherstellern und einer sehr gut aufgestellten Konsumgüterindustrie: Nahrungsmittel, Pharma und Kosmetik aus Frankreich haben hervorragenden Marktzugang zu Wachstumsmärkten. Selbst im Krisenjahr 2009 flossen rund 65 Milliarden Euro Investitionen nach Frankreich – die drittgrößte Summe weltweit.“ Weitere wichtige Branchen für den französischen Maschinen- und Anlagenbau sind Energie- und Umwelttechnologie, Bauwesen, Schienenverkehr, Luft- und Raumfahrt und schließlich der Offshore-Anlagenbau.

Bosch Rexroth in Frankreich

Laut Dr. Karl Tragl schaut Bosch Rexroth gerade in Frankreich optimistisch in die Zukunft. Mehr als 1.000 Mitarbeiter fertigen an zwei Standorten hydraulische und pneumatische Komponenten. Die Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen von Bosch Rexroth wächst auf einem hohen Niveau. Zahlreiche Entwicklungspartnerschaften stärken dabei die enge Zusammenarbeit mit französischen Unternehmen.

Auch die Beratungskompetenz von Bosch Rexroth für energieeffiziente industrielle Anwendungen ist in Frankreich besonders gefragt: So wurde beispielsweise in einem französischen Werk eines der weltweit wichtigsten Nahrungsmittelhersteller in Zusammenarbeit mit dem Systempartner Bosch Rexroth die Energieeffizienz in der Produktion drastisch verbessert. Hierdurch werden deutliche Einsparungen im Energieverbrauch und damit eine Reduktion von CO2-Emissionen erreicht. Das solche Investitionen sich kurzfristig auch wirtschaftlich lohnen zeigt das Ergebnis: Schon im ersten Jahr sind die Einsparungen doppelt so hoch wie die Investitionen in die Effizienzsteigerung. Grundlage für diesen Erfolg war die Anwendung einer außergewöhnlichen Systematik. Unter Rexroth 4EE (For Energy Efficiency) bündelt der Hersteller sämtlicher Antriebstechnologien eine Reihe von Ansätzen, den Energieverbrauch einer Maschine technologieübergreifend und über ihren gesamten Lebenszyklus zu minimieren.

Bosch Rexroth ist einer der weltweit führenden Spezialisten für Antriebs- und Steuerungstechnologien. In Frankreich ist das Unternehmen seit 1938 ansässig und beschäftigt heute über 1.000 Mitarbeiter. Bosch Rexroth bietet für den französischen Markt maßgeschneiderte Lösungen zum Antreiben, Steuern und Bewegen in den Marktsegmenten mobile Anwendungen, industrielle Anwendungen und Engineering, Fabrikautomation und erneuerbare Energien an.

 

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