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10.01.2014

Von Schwerlast bis Hightech: Innovativ auf der ganzen Linie

Backgrounder Niederländischer Maschinen- und Anlagenbau

Innovationsstark, exportorientiert und mittelständisch geprägt: Der niederländische Maschinen- und Anlagenbau gehört zu den wichtigsten Branchen der Landes. Er ergänzt die starken Wirtschaftszweige Elektronik, Nahrungsmittelproduktion, Logistik sowie Offshore-Rohstoffförderung.

Mit einem Anteil von 24 Prozent trägt die Industrie zum Bruttosozialprodukt der Niederlande bei. Dieser Wert liegt deutlich über dem Durchschnitt in Europa. Daher sind die Niederlande als Absatzmarkt für den internationalen Maschinenbau attraktiv. Jährlich importiert das Land Maschinen und Anlagen im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro. Neben Baumaschinen kaufen die Unternehmen vor allem Fördertechnik, Werkzeugmaschinen sowie Maschinen und Anlagen für die Nahrungsmittelverarbeitung und -verpackung weltweit ein.

Der niederländische Maschinenbau ist stark mittelständisch geprägt. Nach einer Auswertung von ABN Amro gibt es derzeit rund 2.600 Maschinenhersteller mit weniger als 50 Mitarbeitern und 320 Maschinenbau-Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern. Die Unternehmen sind in der Regel hochspezialisiert und innovationsstark. Sie investieren mit 6,7 Prozent vom Umsatz weltweit gesehen überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung. Auch in absoluten Zahlen reiht sich die Branche damit unter die Top fünf der europaweit F&E-stärksten Länder im Maschinen- und Anlagenbau ein. Insgesamt bezifferte sich der Umsatz 2012 auf rund 21 Mrd. Euro. Davon exportierten die niederländischen Maschinenhersteller rund 70 Prozent. Die wichtigsten Absatzmärkte sind Deutschland, die USA und Taiwan.

Dabei reicht die Palette von Produktionslösungen für die Halbleiter- und Elektronikindustrie über Nahrungsmittelherstellung und Verpackung bis hin zur Marine- und Offshore-Ausrüstung. Immerhin gehören die Niederlande zu den zehn größten Fördernationen für Erdgas. Als Teil einer traditionellen Seefahrernation haben holländische Unternehmen bereits seit den 1970er Jahren die Offshore-Technologie entscheidend vorangetrieben. Seitdem entwickeln etablierte wie auch neu gegründete Unternehmen immer wieder innovative Lösungen rund um Offshore-Technologien.

Setzt Maßstäbe: Technik für Offshore-Anwendungen

So hat das junge niederländische Unternehmen Barge Master jetzt eine erstaunliche Lösung für den kostengünstigen Aufbau von Offshore-Plattformen und -Windenergieanlagen gefunden: Eine bewegliche Plattform verbindet Kran und Schiffsrumpf und hält den Kran trotz Wellengang so waagerecht, als ob er festen Boden unter Füßen hätte. Das ersetzt die bislang notwendige Spezialausrüstung für die Bauarbeiten.

Auch beim Abbau von großen Offshore-Plattformen setzt niederländische Technik neue Maßstäbe. Die Allseas Gruppe hat die weltweit größte mobile Hebeeinrichtung für Offshore-Installationen entwickelt. Das mit diesem Topside Lifting System (TLS) ausgerüstete Spezialschiff kann die Aufbauten von Offshore-Plattformen mit einem Gewicht von bis zu 48.000 Tonnen in einem Stück anheben und transportieren. Damit senkt Allseas die Kosten und Risiken für die Demontage von Offshore-Plattformen deutlich.

Bei High-tech weltweit mit an der Spitze

Aber auch im anderen Extrem der mikroskopisch kleinen Bewegungen für die Fertigung von Mikrochips stehen niederländische Ausrüster weltweit mit an der Spitze. Bei diesen Anwendungen geht es um Genauigkeiten von wenigen Atomlagen und Produktionsschritten im Vakuum oder aggressiven Atmosphären. Diese Maschinen und Anlagen führen zu einem hohen Exportgeschäft nach Asien, insbesondere Taiwan und Korea.

Ebenfalls sehr stark ist die Branche Nahrungsmittel und Verpackung, da in den Niederlanden der Agrarsektor eine wichtige Rolle spielt. Nach einer Auswertung der Universität Münster nehmen die Niederlande trotz ihrer relativ geringen Fläche auf dem Weltmarkt einen beachtlichen Rang als agrarischer Exporteur ein. 60 Prozent aller Zierpflanzen auf dem Weltmarkt kommen von hier, ebenso wie 60 Prozent aller Blumenzwiebeln. Der niederländische Anteil am Frischgemüsemarkt beträgt 20 Prozent. Exportiert werden vor allem unverarbeitete Pflanzenprodukte, Gemüse, Käse, Fleisch und Milch. Die wichtigsten Abnehmerländer sind Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Trotz einer Rezession seit 2011 gehen Branchenbeobachter für die Zukunft von einem langfristigen und deutlichen Wachstum des niederländischen Maschinenbaus aus. So erwartet die ING Bank eine jährliche Steigerung des Maschinenexports von 4,5 Prozent bis 2020.

Bosch Rexroth in den Niederlanden

Bosch Rexroth hat sich bei den innovativen niederländischen Maschinenherstellern als Entwicklungspartner für neue Konzepte fest etabliert. Weltweit operierende Kompetenzzentren mit Schwerpunkt auf Halbleiter und Solar, Marine und Offshore sowie Service bilden den Schwerpunkt. Am Standort in Boxtel verfügt das Unternehmen über eine wichtige Fertigungsstätte für Engineer-to-Order-Produkte sowie ein Hauptwerk für große Hydraulikzylinder. Bosch Rexroth spielt auch eine bedeutende Rolle bei der Realisierung hydraulischer Arbeiten zum Schutz der niedrig gelegenen Beneluxländer vor Sturmfluten und Hochwasser.

 

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