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11.12.2014

Indien: Industrie als Schlüssel zu mehr Wohlstand

Trotz zuletzt deutlich abgeschwächter Steigerungen gehört Indien weiterhin zu den wachstumsstarken Volkswirtschaften der Welt. Die Asian Development Bank erwartet für 2014 ein Wachstum von 5,5 Prozent, das sich 2015 sogar auf 6,3 Prozent steigern wird. Regierungspläne, die Industrialisierung massiv voranzutreiben, machen das Land besonders für den Maschinen- und Anlagenbau interessant. Daneben besteht ein hoher Modernisierungsbedarf im Bergbau und der Stahlindustrie. Hinzu kommen hohe Investitionen in die Infrastruktur.

Wenn von den Motoren der Weltwirtschaft die Rede ist, dann geht es meist um drei Länder: China, USA und Indien. Im Vergleich zu den USA und China ist Indien, trotz seines enormen Wirtschaftswachstums bis 2011, im Moment noch das am wenigsten industrialisierte Land. Die Volkswirtschaft ist, historisch gewachsen, stark auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Der Export erreicht nach Berechnungen der Deutschen Außenhandelskammer nur rund 15 Prozent des Wertes von China. Das hängt auch mit der Struktur der indischen Volkswirtschaft zusammen.

Industrie soll Arbeitsplätze schaffen

Der Beitrag der Industrie zum Bruttosozialprodukt stagniert in Indien seit einigen Jahren bei rund einem Viertel. Für ein Schwellenland untypisch, dominiert in Indien der Service-Sektor, der für 59 Prozent der Wirtschaftsleistung steht. Hier spielt die hohe IT-Kompetenz Indiens eine wichtige Rolle. Und obwohl mehr als jeder zweite Einwohner in der Landwirtschaft arbeitet, trägt diese nur 14 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Es ist deshalb das erklärte Ziel der neuen indischen Regierung, die Industrialisierung voranzutreiben, denn nur die Industrie kann genügend Arbeitsplätze für die große Masse der gering qualifizierten Menschen schaffen. Dazu will die Regierung sowohl regulatorische und bürokratische Hemmnisse abbauen als auch die Infrastruktur verbessern.

Das 100 Milliarden Dollar Projekt

Das betrifft den Ausbau der Verkehrswege ebenso wie beispielsweise eine Verbesserung der Strom- und Wasserversorgung. Das größte Infrastruktur-Projekt, der Delhi-Mumbai Industrial Corridor, sprengt alle bisherigen Dimensionen. Zwischen den Metropolen Delhi und Mumbai soll ein rund 1.400 km langer und 300 Kilometer breiter Industriestreifen entstehen. Den Anfang macht der Ausbau von Straßen und Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken. Entlang dieses Korridors sollen neue Städte entstehen, die um ein Mehrfaches größer als Shanghai sein werden. Die Regierung rechnet allein für dieses Megaprojekt mit Investitionen von 100 Milliarden Dollar. Weitere Korridore sowie Sonderwirtschaftszonen sind in Planung. Ziele sind einerseits, ausländische Investoren und Produktionsunternehmen anzuziehen, andererseits die heimische Industrie zu stärken.

Das unterstützt die im Herbst 2014 gestartete Initiative „Make in India“. Die Regierung will damit das Investitionsumfeld verbessern, indem es unnötige Gesetze abschafft und die Bürokratie abbaut. Investoren nehmen Kontakt über zentrale Internetadresse www.makeinindia.com auf. Ein achtköpfiges Gremium beantwortet Investorenanfragen innerhalb von 48 Stunden.

Auch wenn die Industrie aktuell im Vergleich zu anderen Industriestaaten relativ wenig zum Bruttosozialprodukt beiträgt, so ist sie allein auf Grund der Größe der Volkswirtschaft Indiens bereits heute ein interessanter Markt für den Maschinenbau. 2013 kauften indische Unternehmen allein in Deutschland Maschinen im Wert von rund 3 Milliarden Euro. Einer der Treiber ist der Automotive-Sektor. Nahezu alle Automobil-Konzerne haben in den vergangenen Jahren Werke in Indien errichtet und entsprechend Zulieferer nachgezogen. 2013 verließen nach Angaben der OICA (The International Organization of Motor Vehicle Manufacturers) mehr als 20 Millionen motorisierte Fahrzeuge, PKWs, Nutzfahrzeuge und Motorräder indische Fabrikhallen.

Weltweit größter Hersteller von Traktoren

Bei Traktoren ist Indien nach Stückzahlen sowohl der weltweit größte Hersteller als auch der größte Markt. Nahezu jeder dritte weltweit gebaute Traktor kommt aus Indien, hat die Association of Equipment Manufacturers, Milwaukee, Wisconsin, USA, berechnet. Aktuell streben die indischen Hersteller vom Low-cost-Segment in das mittlere Leistungs- und Preissegment, um die Exportchancen vor allem nach Asien und Afrika zu verbessern. Dazu setzen die Hersteller auch auf die Zusammenarbeit mit europäischen Zulieferern. Allerdings sind die dort entwickelten Produkte meist zu teuer und zu komplex für die indischen Absatzmärkte. Deutlich bessere Chancen haben vor Ort auf die lokalen Anforderungen hin entwickelte Lösungen, die dann auch vor Ort produziert werden.

Bergbau: Hoher Modernisierungsbedarf

Während im Automotivebereich schon überwiegend moderne Maschinen zum Einsatz kommen, ist die Ausrüstung älterer Wirtschaftszweige wie dem Bergbau technisch meist völlig überholt. Durch die gesunkenen Rohstoffpreise haben die Unternehmen noch weniger Geld als in den Jahren vor 2011 investiert. Die neue Regierung hat deshalb Anfang August 2014 einen Aktionsplan für den stark regulierten Bergbau angekündigt. Dabei geht es vor allem um die Überarbeitung des Mines and Minerals Development and Regulation Act von 1957.

Mittelfristig wird im Bergbau also die Ausrüstungs-Nachfrage steigen, zumal die bodennahen Vorkommen zurückgehen und sich die Unternehmen in tiefergelegene Schichten vorarbeiten müssen. Die indischen Maschinenhersteller haben sich bislang auf die Ausrüstung der Tagebauförderung spezialisiert: Bei der für die Stromerzeugung wichtigen Kohle wird derzeit neunmal mehr Kohle über Tage als unter Tage gefördert. Die anstehende Erschließung unterirdischer Vorkommen bietet interessante Perspektiven für international tätige Maschinenhersteller.

Lebensmittel: Weniger als zehn Prozent verpackt

Ebenfalls mittelfristig, aber dafür umso stärker, wird sich die Nahrungsmittelindustrie entwickeln. Derzeit ist der Anteil industriell verarbeiteter und verpackter Lebensmittel noch sehr gering. Nach Angaben der Germany Trade & Invest liegt er wertmäßig bei deutlich unter zehn Prozent der Gesamtproduktion. Eine wachsende Mittelschicht und die Zulassung von Handelsketten mit entsprechender Logistik werden diesen Anteil aller Voraussicht nach deutlich erhöhen. Damit dürfte auf lange Sicht einer der größten Märkte für Lebensmittelverarbeitungs- und Verpackungsmaschinen entstehen.

Indien vor Brasilien und Russland

Nach Berechnungen des International Monetary Fund, IMF, wird Indien in der Rangliste der größten Volkswirtschaften durch das stärkere Wachstum bis 2019 sowohl Brasilien als auch Russland oder Italien überholen. Damit gehört Indien nach den USA und China zu den wachstumsstärksten Märkten für den Maschinenbau.

40 Jahre Bosch Rexroth in Indien

Bosch Rexroth ist bereits seit 1974 in Indien präsent und hat sich in vier Jahrzehnten als Zulieferer für den indischen Maschinenbau in den Sektoren Mobile Anwendungen, Anlagenbau und Engineering, Fabrikautomation sowie erneuerbare Energien etabliert. Rexroth produziert dafür vor Ort bereits seit 1974 Hydraulik- und Automationskomponenten und entwickelt auf indische Anforderungen abgestimmte Produkte und Lösungen. Als lokaler Partner hat Rexroth zahlreiche indische Stahlwerke ausgerüstet und modernisiert. In Indien entwickelte Produktvarianten für die Mobilhydraulik verrichten in Hunderttausenden indischer Traktoren ihren Dienst.

Mit acht Vertriebsniederlassungen und drei Service-Centern ist der Multitechnologiespezialist in allen wichtigen Regionen präsent. 2013 eröffnete das Unternehmen am Hauptstandort Ahmedabad ein neues Werk. Die Investition von 33,7 Millionen Euro hat die Produktionsfläche verdreifacht. Aktuell beschäftigt Bosch Rexroth rund 880 Mitarbeiter in Indien.

 

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