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Historie: Die Mechanisierung der Landwirtschaft

Juli 2012

 
 
 

Was mit Grabstock und Hacke vor ungefähr 10.000 Jahren begann, ist mit den heutigen voll vernetzten Hightechmaschinen noch lange nicht am Ende der Entwicklung angelangt. Die Mechanisierung der Landwirtschaft hatte zunächst vor allem das Ziel, die menschliche Arbeitskraft zu mechanisieren und den Landmann von anstrengenden körperlichen Tätigkeiten zu entlasten.

Heute geht es darum, möglichst effizient zu arbeiten und die Produktivität zu steigern. Diese Entwicklung verdeutlichen beispielhaft folgende Zahlen: Ein Landwirt im deutschen Kaiserreich erzeugte um 1900 Nahrungsmittel für vier weitere Personen, 1950 waren es zehn, 1980 bereits 47. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ernährt ein deutscher Landwirt 143 Menschen.

Die Bandbreite der Mechanisierung ist allerdings nach wie vor groß: Über Weizenfelder in den USA und Westeuropa rollt die voll automatisierte, GPS-gesteuerte Hightechmaschine, während in weniger entwickelten Regionen noch Technik aus der Frühzeit der Landwirtschaft eingesetzt wird.

Die erste Mechanisierungswelle begann Anfang des 19. Jahrhunderts mit von Pferden angetriebenen Dresch- und Erntemaschinen auf den großen Farmen in den USA. 1841 baute Alexander Dean in England die erste Dreschmaschine mit Dampfantrieb.

Auch die ersten Traktoren wurden von Dampfmaschinen angetrieben, eigneten sich aufgrund ihres Gewichts jedoch nicht für alle Böden. Auf weniger tragfähigen Böden in Europa kamen daher indirekte Seilzuglösungen mit am Feldrand stehenden „Pfluglokomotiven“ zum Einsatz. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors wurden Ende des 19. Jahrhunderts auch Schlepper mit diesen ausgerüstet.

1935 baute die Firma Massey-Harris, Kanada, die ersten selbstfahrenden Mähdrescher mit Verbrennungsmotor. Ein Jahr später konstruierte die Firma Claas aus Deutschland den von einem Traktor gezogenen Mäh-Dresch-Binder (MDB). Auf den riesigen US-amerikanischen Feldern setzte sich der Traktor schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts flächendeckend durch, in Europa sollte dies bedingt durch kleinteiligere Strukturen noch mehrere Jahrzehnte dauern.