Marginale Spalte

International anwenden, lokal anpassen

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März 2016

 

Auf dem Weg hin zu Industrie 4.0 sammelt Bosch Rexroth über die Anwendung in den eigenen Werken auf der ganzen Welt wertvolle Praxiserfahrungen. Das Ziel: die vernetzte, smarte Fabrik.

Bosch Rexroth hat in einem ersten Schritt mit der Multiproduktlinie gezeigt, wie das Arbeiten in der Smart Factory künftig aussehen kann. Doch Industrie 4.0 kommt nicht über Nacht. Es ist ein evolutionärer Prozess, der sich Stück für Stück entwickelt. „Durch die Anwendung in unseren eigenen Werken lernen wir sehr schnell und können die nächsten Schritte angehen“, erläutert Dr. Steffen Haack, Mitglied des Vorstands von Bosch Rexroth. Was sich bei der Multiproduktlinie in Homburg bewährt hat, wird derzeit in chinesischen Werken, zum Beispiel in Wujin, in ähnlicher Form umgesetzt, angepasst an die lokalen Anforderungen. Auch das Werk Xi’an bereitet sich auf die Smart Factory vor. RFID-Tags sind dort schon jetzt die Grundlage für den Service bei Frequenzumrichtern. Damit sind Fehlererkennung via App und Remoteservices möglich.

Ebenfalls sehr aktiv ist das Werk im US-amerikanischen Bethlehem. Mit QR-Codes und dem ActiveCockpit von Rexroth wird dort Transparenz großgeschrieben. Das Management in Bethlehem treibt zudem die Entwicklung zur Fabrik der Zukunft voran. Ein Vierjahresplan stellt die Weichen für die nächsten Schritte. Im Elektronikwerk in Lohr wiederum ist die vertikale Integration vom ERP-System über MES- und MAE-Module bereits realisiert. Das erlaubt in Echtzeit die Zustandskontrolle der Fertigungsstationen und Werkzeuge, vorbeugende Wartung und schnellen Remoteservice.

Neben der Fernwartung durch die Verfügbarmachung von Daten haben Ingenieure von Bosch Rexroth bereits Smart Glasses im Piloteinsatz, um Mitarbeiter bei Servicetätigkeiten zu unterstützen. Das Unternehmen fertigt im schwedischen Mellansel unter anderem große Hydraulikantriebe für Förderbänder, Papiermühlen oder die Steuerruder großer Schiffe. Beim Service für diese weltweit eingesetzten schweren Motoren setzen die Ingenieure auf Augmented Reality und eben auch auf Smart Glasses. Ein Beispiel: Der Servicetechniker setzt die Brille vor einer Maschine beim Kunden auf. Das Bild wird zugleich auf einem Computer bei Bosch Rexroth in Mellansel sichtbar, wo ein Experte für die jeweilige Maschine sitzt. Seine Hände werden von einer Stereovideokamera über dem Monitor gefilmt und wiederum zum Kunden übertragen. Dort erscheinen sie in der Datenbrille des Technikers und damit scheinbar direkt in der Maschine.

Hinzu kommt eine Sprachverbindung. „Um diese Daten zu übertragen, brauchen wir keine große Bandbreite. Uns reicht dafür eine 3G-Mobilfunkverbindung“, sagt Anders Palm, Projektmanager der Industrie-4.0-Projekte in Mellansel. Gemeinsam können die beiden Mitarbeiter nun die Aufgabe erledigen, obwohl sie gegebenenfalls Tausende Kilometer entfernt voneinander sind. „Das System hat mehrere Vorteile. Der Kunde bekommt einen schnellen Service. Und wir sparen Zeit und Reisekosten. Zudem können unsere Experten in Mellansel dank der Smart Glasses sehr gut ausgelastet werden“, sagt Palm.

Diese Projekte in der eigenen Fertigung sind das eine. Darüber ­hinaus beteiligen sich Experten von Bosch Rexroth weltweit in Normierungsgremien und Initiativen, um das Thema Industrie 4.0 voranzutreiben. Ein Beispiel dafür ist das Engagement in der Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. an der Universität Kaiserslautern unter Federführung von Professor Detlef Zühlke.