Marginale Spalte

Ein Transfersystem TS 2 der ersten Stunde.

Am laufenden Band

März 2011

 

Dogumoba und das unendliche Langloch – Transfersysteme im Wandel der Zeit.

 
 

Den Trend zur Automation erkennen die Ingenieure im Bosch-Konzern bereits in den frühen 30er-Jahren und wissen ihn zu nutzen: An Lösungen für den Transport der Bauteile auf Werkstückträgern feilt die eigene Werkstatt für Sondermaschinen, Maschinenreparaturen und den Bau sowie die Wartung von Betriebsmitteln.

Der Durchbruch für die automatisierte Produktion gelingt mit dem ersten „Dogumoba“. Das Doppelgurt-Montageband entsteht 1963 und gilt als Urmodell heutiger Werkstückträger-Transfersysteme. Es ist komplett aus Stahl gefertigt und hält einiges aus: Manche der Bänder laufen heute noch. Mit Weiterentwicklungen ab 1970 werden Arbeitsplätze, Prozess- und Automatikstationen damit ausgerüstet.

Ein Loch ohne Ende

Auf das „Dogumoba“ gehen auch die zu dieser Zeit als Bosch-Profile bekannten Aluminium-Strangpressprofile zurück: Aus der Notwendigkeit heraus, Sensoren, Schaltelemente und Zubehör an den Förderstrecken anzubringen, mussten zuvor unzählige Löcher in die aus Stahl gefertigten Träger und Rahmen gebohrt werden.

Veränderungen im Betrieb, wie das Verschieben von Sensoren, waren so aber schwierig. Mit einer genialen Idee, dem „unendlichen Langloch“, war das nicht mehr nötig. Über die Nut lassen sich zusätzliche Elemente nun einfacher an der Förderstrecke anbringen und ohne großen Aufwand verschieben. Standardisierte Stützen und Querverbinder ziehen als erste Komponenten in den Mechanik-Grundelemente-Baukasten ein und bilden die Basis für das erste modulare Transfersystem TS 2.

Mit den Modulen lassen sich die Transferstrecken individuell und schnell realisieren, außerdem sind sie wesentlich kleiner gebaut. Bald gibt es die Systeme für unterschiedliche Gewichtsklassen: das TS 1 für leichtere Aufgaben bis drei Kilogramm, das Multitalent TS 2plus für Werkstücke bis 100 Kilogramm und das TS 4plus für Produkte bis 250 Kilogramm.

Mit den Anlagen wächst auch der Baukasten weiter. Denn die Ingenieure gehen mit der Zeit und passen die Strecken an aktuelle Fertigungsbedingungen an. Im Laufe der 80er-Jahre lautet das Credo „Job-Enrichment“ und „Job-Enlargement“: Arbeitsinhalte werden erweitert, die Arbeitsteilung verringert und somit der gesellschaftlich geforderten Humanisierung der Arbeitswelt entsprochen. Das hat Auswirkung auf das Anlagen-Layout: Taktunabhängige Arbeitsplätze werden eingeführt und Pufferstrecken integriert.

Schlanke Linie

Anfang der 90er-Jahre ist „Lean Production“ angesagt, schlanke Prozesse sind gefragt. Komplexe und hochgradig automatisierte Anlagen werden entschlackt und durch leicht beherrschbare Einheiten ersetzt. Kurze Bandstrecken mit kleineren Antrieben erweitern seither das modulare Produktportfolio. Mit den kurzen Innovationszyklen der Elektronikbranche müssen die Transfersysteme ebenfalls Schritt halten. Im Fokus stehen Flexibilität und Wiederverwendbarkeit.

Die Entwickler nehmen die Impulse auf und setzen moderne Materialien ein, um Investitionen und Betriebskosten zu senken. So entstehen Antriebe mit verbessertem Wirkungsgrad und spezielle Gleitwerkstoffe an den Werkstückträgern, die die Reibung reduzieren und ihrerseits geringere Antriebsleistungen erfordern. Heute bringt das Transfersystem TS 2pv selbst hochempfindliche Glaspaneele für Solaranlagen sicher von einer Arbeitsstation zur nächsten. Die Branche entwickelt sich rasant, im Baukasten von Rexroth wird sie auch künftig die passenden Komponenten finden.