Maschinensicherheit

 

November 2013

 

Mensch und Maschine kommen sich immer näher. Mit der Produktivität steigt durch die Komplexität der Integration aber auch das Risiko.

 
 

Moderne Maschinensicherheit will diese latente Gefährdung auf ein Minimum reduzieren. Der Schutz des Menschen ist ein Grundsatz, der rund um den Globus immer konsequenter mit Normen und Standards durchgesetzt wird. Damit wird die Fähigkeit, eine normgerechte und wirtschaftliche Maschinensicherheit zu gewährleisten, zur Eintrittskarte in internationale Märkte.

Wer hier nicht mithalten kann, muss leider draußen bleiben. Andererseits kann sich das steinige Terrain der Maschinensicherheit aber auch als fruchtbarer Boden für neue Technologien erweisen: Immer strengere Regelungen beschleunigen Innovationen. Betrachtet man dabei die Maschine ganzheitlich im Gesamtprozess, kann neben der Sicherheit auch die Produktivität profitieren.

Maschinensicherheit weltweit

Es ist die globale Dimension, die das Thema Maschinensicherheit für Hersteller und Importeure so anspruchsvoll macht. Nahezu alle Industriestaaten, etablierte wie aufstrebende, haben in den letzten Jahrzehnten unterschiedlichste Sicherheitsstandards eingeführt und diese vielfach aktualisiert und verschärft.

Vielfalt herrscht nicht nur bei den Standards selbst, sondern auch bei den Modalitäten für den Marktzugang. So pflegt die Europäische Union ein liberales Modell, das auf die Eigenverantwortlichkeit von Herstellern beziehungsweise Importeuren setzt. Sie erklären eigenverantwortlich die Übereinstimmung des gelieferten Produkts mit den jeweils geltenden Regeln und haben damit mehr Verantwortung, aber auch unbürokratisch und schnell Zugang zum europäischen Markt.

Allerdings benötigt der Hersteller umfassende eigene Prüfkompetenzen und trägt im Schadensfall ein hohes Haftungsrisiko. Die Einhaltung der Richtlinien wird durch EU-Behörden regelmäßig kontrolliert.

Auch in den USA herrscht ein offener Marktzugang, dem aber strenge Regeln im Arbeitsschutz entgegenstehen. Der Hersteller muss beim Grenzübertritt in die USA keine übergreifenden Sicherheitsanforderungen belegen, bei der lokalen Inbetriebnahme sind aber Prüfzeichen einer Zertifizierungsstelle Pflicht.

Zudem können lokale Arbeitsschutzbehörden zusätzliche Anforderungen stellen. China und Russland wiederum setzen auf ein restriktives Zugangsmodell, das auf Produktzulassungen mit Pflichtzertifizierung besteht. Diese Vorgaben kontrolliert der Staat beim Markteintritt, in der Regel also durch die Zollbehörden.

Die Zertifizierung hat zweifellos Vorteile: Sie erlaubt eine stärkere Kontrolle und hält potenziell unsichere Produkte bereits an der Landesgrenze auf. Sie entbindet den Hersteller davon, eigene Prüfkompetenzen vorzuhalten, und reduziert seine Verantwortung in Schadensfällen

 

Verschiedene Standards für verschiedene Welten

Der bürokratische und zeitliche Aufwand ist aber hoch, der Markteintritt kann sich dadurch verzögern. Darüber hinaus muss der Hersteller gegenüber der Zertifizierungsstelle technisches Know-how preisgeben.

Ein ähnlich buntes Bild bietet sich bei den Standards. Diese gleichermaßen nah an der praktischen Anwendung und den technischen Realitäten zu entwickeln, ist nicht immer einfach, wie Chris Tettero bestätigt: „Einen Standard zu Papier bringen ist eine Sache, ihn aber in einem konkreten Projekt umsetzen ist etwas ganz anderes.“

Tettero ist in einem Team beim Ministerium für Infrastruktur und Umwelt in den Niederlanden zuständig für die Sicherheit von beweglichen Brücken, Wehren und Schleusen. Er arbeitet seit fünf Jahren an einer Aktualisierung des inzwischen zehn Jahre alten niederländischen Sicherheitsstandards für bewegliche Brücken. Als zentrale Aufgabe sieht er die Risikobeurteilung: „Meiner Ansicht nach müssen hier Auftraggeber und Hersteller an einen Tisch.“

Das Normensystem der Europäischen Union dient weltweit als Vorbild und Blaupause. Das bedeutet aber nicht, dass die Einhaltung europäischer Normen automatisch den Zugang zu allen Märkten garantiert. „In Brasilien entsprechen zwar viele Sicherheitsstandards den europäischen Normen, in manchen Bereichen sind sie jedoch deutlich strenger als in der EU“, erklärt Rodrigo Rodrigues, der als Vertreter von Bosch Rexroth in Brasilien die nationalen Sicherheitsgremien berät. So fordert zum Beispiel die neue Verordnung NR12 die Nachrüstung von alten Maschinen – für einige Maschinentypen wie Pressen sogar ohne Übergangsfrist.

Auch China hat viele Standards im Regelwerk „Sicherheit von Maschinen“ aus dem europäischen Normenwerk übernommen, über 400 internationale Standards wurden in nationale Richtlinien überführt. Diese Standards sind aber häufig nicht mehr auf dem aktuellsten europäischen Stand oder wurden in manchen Fällen von den Chinesen deutlich modifiziert.

Importeure haben dadurch einen erheblichen Aufwand für Zertifizierung und Zulassung. Die Dimension zeigt das Volumen von rund einer Million importierten Werkzeugmaschinen und zahllosen Komponenten für den chinesischen Maschinenbau, das schon vor einigen Jahren erreicht wurde und das weiter zunimmt. Aber auch die global agierenden chinesischen Hersteller kennen diese Problematik: Wenn sie ihre Maschinen nach Europa, in die USA oder Brasilien exportieren möchten, müssen sie die unterschiedlichen Marktanforderungen erfüllen.

„Für uns als verantwortungsvolle Technologiepartner steht das Thema Maschinensicherheit ganz oben auf der Agenda – bei Entwicklung und Qualitätsmanagement, aber auch als Mehrwert für unsere Kunden“, betont Fowai Lau, Geschäftsführer von Bosch Rexroth in China. Mit der internen Veranstaltungsreihe „Safety on Board for Managers“, die im Februar 2013 erstmals in Peking stattfand, wurden die Grundprinzipien der Maschinensicherheit konsequent im Unternehmen verankert.

Der globale Strauß an verschiedensten Marktzugangsmodellen und Sicherheitsstandards ist insbesondere für kleinere und mittlere Anbieter eine große Herausforderung. Wer in allen wirtschaftlich interessanten Regionen präsent sein will, muss mit vielen Bällen jonglieren – und sich in Geduld üben: Tendenzen zur Harmonisierung der Standards sind zwar erkennbar, die internationalen Mühlen mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Bedürfnissen mahlen aber langsam.

Dennoch wird sich moderne Maschinensicherheit weltweit durchsetzen, weil sie neben ihrer Kernaufgabe, Menschen zu schützen, auch den Komfort und die Produktivität steigert. Auch die Industrie 4.0 ist ohne moderne Maschinensicherheit nicht denkbar.

Sicherheit an Bord

 

Mit sicheren Produkten, kompetenter Beratung und konkreter Wissensvermittlung unterstützt Bosch Rexroth Maschinenhersteller und Endanwender seit vielen Jahren dabei, ihrer Verantwortung für den Schutz von Mensch und Maschine normgerecht und wirtschaftlich gerecht zu werden. Speziell auf die individuellen Bedürfnisse der internationalen Märkte zugeschnittene Trainingsprogramme halten die Anwender up to date. Die weltweit präsenten Experten betrachten Sicherheitstechnik ganzheitlich und erreichen dadurch neben mehr Sicherheit auch eine bessere Performance, mehr Arbeitsergonomie, geringere Stillstandzeiten und eine höhere Flexibilität: wie bei der Modernisierung einer Walzwerkanlage in Wickede, Deutschland. Safety-Spezialisten von Bosch Rexroth standen dem Anwender beratend zur Seite und programmierten die Sicherheitssteuerung für drei Maschinen unterschiedlicher Hersteller.

Umfassende Informationen zur intelligenten und wirtschaftlichen Realisierung von Maschinensicherheit finden Sie hier:

www.boschrexroth.de/maschinensicherheit