Projekte perfekt umsetzen

Marginale Spalte

Oben: Systematisches Projektmanagement ist das A und O: Das war bereits bei der Cheopspyramide so und gilt erst recht bei modernen Projekten wie den neuen Schleusen im Panamakanal, der Modernisierung des Moskauer Bolschoi-Theaters oder dem Deriner-Staudamm in der Türkei (im Uhrzeigersinn).

März 2013

 

Wie systematisches Prozessmanagement Qualität, Wirtschaftlichkeit und Termintreue im Projektgeschäft sichern.

 
 

Die Cheopspyramide in Giseh gilt als erstes Großprojekt in der Geschichte des Projektmanagements. Sie erfüllt alle Kriterien, die auch heutzutage ein Projekt definieren: Mit dem Bauwerk betrat man Neuland, viele unterschiedliche Handwerker mussten koordiniert werden, die logistischen Herausforderungen beim Heranschaffen der Steine waren gigantisch, die finanziellen Mittel begrenzt und der Zeitdruck enorm. Die Pyramide musste schließlich zum Tod des Pharaos fertig sein ‒ und den konnte niemand vorhersagen.

Marktgerechte Lösungen liefern

Heute besteht das Hauptziel des Projektgeschäfts darin, für den Markt eine Lösung zu bieten, die die richtige Qualität aufweist, termingerecht sowie im Rahmen des vorher festgelegten Budgets geliefert wird und dabei die Anforderungen des Kunden erfüllt. Idealerweise lassen sich diese Ziele mit einem Projekt- und Qualitätsmanagementsystem erreichen, das dabei hilft, relevantes Know-how optimal verfügbar zu machen.

Dies erfordert die disziplinierte und nachhaltige Dokumentation von Plänen, Prozessen und Ergebnissen, unterstützt durch den Einsatz geeigneter Tools. Simulationen können beispielsweise dabei helfen, die Time-to-Market zu verkürzen. Die systematische Bearbeitung von Aufgaben ist kontinuierlich zu optimieren, um im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben und unwirtschaftliche Vorgehensweisen zu vermeiden. Das Projektgeschäft gliedert sich in der Regel in die folgenden Phasen:

In der Akquisitionsphase erhält der Lieferant erste Informationen über ein kommendes Projekt. Kunden holen sich Referenzen und mögliche Lösungen für ihr Projektvorhaben ein. Oft mit Unterstützung externer Beraterbüros formuliert der Kunde eine Ausschreibung und stellt sie den potenziellen Lieferanten zur Verfügung. Diese prüfen die Unterlagen und entscheiden innerhalb der sich anschließenden Qualitätsbewertung (Release), ob ein Angebot abgegeben wird: Stehen zum Beispiel ausreichend Kapazitäten zur Verfügung oder weist der Terminplan einen auskömmlichen Zeitraum für Engineering, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme aus?

Die Angebotsphase ist eine der zentralen Phasen eines Projekts und umfasst einen kaufmännischen, finanziellen und technischen Ansatz. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Erstellung eines technischen Konzepts sowie der Kalkulation des anzubietenden Liefer- und Leistungsumfangs. So individuell wie das einzelne Projekt ist auch die Ausprägung der vertraglichen Konditionen. Es sind unter anderem Vereinbarungen zu Lieferumfang, Zahlungen und Zahlungsabsicherungen, Terminen, Vertragsstrafen und natürlich auch über den Vertragspreis zu treffen. Lieferant und Kunde verpflichten sich, alle Vertragsbedingungen einzuhalten. Ziel ist ein für beide Parteien fairer Vertrag.

Nach Vertragsunterzeichnung geht es an die Erstellung des System-Engineerings. Das im Angebot entworfene technische Konzept wird weiterentwickelt und mit dem Kunden abgestimmt. Ziel ist hierbei, stets die technisch optimale Lösung innerhalb des definierten Projektbudgets zu finden. Die abschließende Prüfung des Konzepts der technischen Auslegung (Preliminary Design-Review) bietet für die Beschaffung die Basis zur Freigabe von Materialien mit langen Lieferzeiten. Das Konzept wird in der Detail-Engineering- und Designphase so weit technisch ausgearbeitet, dass im folgenden Schritt ‒ Produktion und Einkauf ‒ alle Teile produziert beziehungsweise zugekauft werden können.

Ideale Projektphasen und erforderliche Managementarten im Überblick.

 

Charakteristisch für das Projektgeschäft ist die Montage mit abschließender Inbetriebnahme auf der Baustelle des Kunden. Ein Test des Gewerks schafft die Voraussetzung für die Übergabe mit der darauffolgenden kommerziellen Nutzung durch den Anlagenbetreiber. Jede Phase wird durch eine Qualitätsbewertung (Release, QG0 bis QG4, FIN) abgeschlossen, um Risiken zu erkennen, sie zu vermeiden und die Ergebnisse der zurückliegenden Phase als Lessons Learned in den stetigen Verbesserungsprozess einfließen zu lassen.

Das Projektmanagement umspannt den gesamten Projektablauf und umfasst die im Schaubild aufgelisteten Wissensgebiete vom Integrations- bis zum Baustellensicherheitsmanagement. Nur unter Berücksichtigung jedes einzelnen Elements ist es möglich, das Projekt für den Kunden optimal zu gestalten und sicherzustellen, dass die vertraglich vereinbarten Eigenschaften der Lösung innerhalb des vorgesehenen Terminplans zum veranschlagten Budget eingehalten werden. Dazu ist eine enge Abstimmung mit dem Kunden, dem späteren Nutzer der Anlage und Behörden während aller Phasen des Projekts notwendig.

Angewandtes Projekt-Know-how

Bosch Rexroth hat langjährige Erfahrung bei Großprojekten. Aktuelle Beispiele dafür sind die Antriebe zum Verfahren der Rollschütze der neuen Schleusen des Panamakanals, die Erneuerung der Bühnentechnik im Moskauer Bolschoi-Theater, die Antriebs- und Steuerungslösung der Mittelauslass- und Klappschütze beim Deriner Damm in der Türkei oder das Handling beim Spezialschiff der Allseas-Gruppe.

Bei diesen komplexen Projekten kommen neben dem oben beschriebenen Projekt- und Qualitätsmanagement vor allem die für das Projektgeschäft sehr wichtigen Erfolgsfaktoren Branchen- und Anwendungs-Know-how sowie technische Antriebs- und Steuerungskompetenz zum Tragen.

Das Branchen- und Anwendungs-Know-how ermöglicht es, die Anforderungen des Kunden unmittelbar zu verstehen und mit ihm auf Augenhöhe die Vor- und Nachteile der jeweiligen Antriebs- und Steuerungskonzepte zu diskutieren. Diese technische Kompetenz sorgt dafür, dass immer jeweils die Technologie eingesetzt wird, die die Problemstellung des Kunden am besten bewältigt ‒ also zuverlässig, wirtschaftlich und serviceorientiert.

Mit diesem Wissen ist es Bosch Rexroth in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, komplexe Projekte erfolgreich abzuwickeln. Weltweite, über viele Monate laufende Inbetriebnahmen sowie die Koordination einer Vielzahl von Zulieferern aus verschiedensten Ländern sind keine Seltenheit. Bosch Rexroth tritt dabei als Generalunternehmer für die Antriebs- und Steuerungstechnik auf und übernimmt die Systemverantwortung.

Engineering Support: Systemsimulation

Die zunehmende Komplexität erfordert bei Projekten im Entwicklungsprozess Machbarkeitsstudien zur Absicherung der System- und Komponentenauswahl. Rexroth bietet dafür Simulationen von ganzheitlichen Antriebssystemen an und wertet sie im Hinblick auf Produktivität, dynamisches Antriebsverhalten und Wirkungsgradoptimierung aus. Die Simulation bildet dabei die Physik der Realität ab und schafft ein virtuelles Abbild des Antriebssystems, eingebunden in die geplante Kundenmaschine. Das ermöglicht eine detaillierte und umfassende Gesamtsystem-Simulation (= Prozess + Maschine + Drive + Control + Motion). Dadurch kann die Wechselwirkung von Hydraulik, Mechanik, Elektronik und Software frühzeitig bewertet werden.

 

Simulationsmodell mit Auswertung (Kennlinien) einer elektrohydraulischen Kompaktachse im Rexroth System-Simulator.

Der Weg zum Projekt: besser und schneller durch Simulation

Die Applikationsingenieure planen und entwickeln eine für die Kundenapplikation passende Antriebslösung. Die Simulation setzt hier an und überprüft die entwickelte Lösung und die Komponentenauswahl auf Machbarkeit aber optimiert auch unter dynamischen und energetischen Aspekten.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die vorab durchgeführte virtuelle Inbetriebnahme ersetzt kostspielige reale Maschinenprototypen. Auch Extremsituationen, die in der Realität aufgrund der Maschinen- und Personensicherheit nicht getestet werden können, lassen sich sehr einfach untersuchen. Zudem ist es so möglich, vor der realen Umsetzung potenzielle Probleme aufzeigen und mit geringem Aufwand zu beseitigen. Auch erlaubt die Simulation den Zugriff auf jegliche Messgrößen des Antriebssystems und der Maschine, selbst auf solche Größen, die sonst nur schwer oder nicht zu erfassen sind.

Simulationen tragen zur Reduzierung von Entwicklungsdauer und -kosten bei, verkürzen die Inbetriebnahme und vermeiden zeitaufwendige, kostspielige Rekursionen durch Analyse und Optimierung am virtuellen Prototyp. Sie ermöglichen zudem eine verbesserte Kenntnis über das Systemverhalten, die Möglichkeit der dynamischen und energetischen Optimierung und die Analyse von Was-wäre-wenn-Fragestellungen.