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Neue Hydraulik für Stahlwasserbauwerk im Irak

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November 2015

 

Im Irak modernisiert Bosch Rexroth die komplexe Hydraulikanlage eines Stahlwasser­bauwerks. Die Kombination von Wehranlage, Schleuse und drehbarer Brücke schützt Pflanzen vor Salzwasser und ermöglicht den Gütertransport ins Landesinnere.

Das Landesinnere des Irak gehört zu den heißesten Gebieten der Welt. Temperaturen bis zu 51 Grad Celsius sind im Sommer keine Seltenheit, auf Regen wartet man zwischen Juni und September vergeblich. Ohne das Wasser der Flüsse Euphrat und Tigris würde die Vegetation nicht überleben. Am Zusammenfluss der beiden Ströme beginnt der Kanal Shatt al Basrah, der für die Bewässerung eines Wüstenabschnitts genutzt wird, den der Flusslauf nicht erreicht. Im Hochsommer, bei niedrigem Wasserstand, besteht jedoch die Gefahr, dass Salzwasser aus dem Persischen Golf in den Kanal eindringt und die Vegetation schädigt. Um das zu verhindern, wurde bereits 1977 kurz vor der Mündung des Kanals in den Persischen Golf ein Stahlwasserbauwerk errichtet, das Wehranlage, Schleuse und eine drehbare Brücke kombiniert und für das Bosch Rexroth die hydraulische Ausrüstung lieferte. Fünf hydraulische Regulierschütze stauen hier das Süßwasser an, bis es mindestens die Höhe des Salzwasserstandes erreicht hat, und verhindern so, dass Salzwasser in den Kanal drücken kann. Ist das Süßwasser ausreichend angestaut, öffnen sich die Schütze und das Wasser kann in den Golf abfließen. Das Stahlwasserbauwerk erfüllt jedoch noch eine weitere Funktion: Zwei hydraulisch angetriebene Segmentschütze, die im Zusammenwirken eine Schiffsschleuse ergeben, und eine hydraulisch bewegte Drehbrücke ermöglichen der Schifffahrt den Zugang zum Kanal.

Modernisierung mit großen Kräften

Durch die Konflikte im Irak war es zu Schäden an der Anlage gekommen. Den Auftrag zur Modernisierung der Anlage konnte Bosch Rexroth in Rumänien im Juli 2014 gewinnen. Unterstützung leistete die Projektabteilung Stahlwasserbau in Deutschland. Sie übernahm die Herstellung der hydraulischen Ausrüstung, bestehend aus sieben Zylindern und neun Aggregaten. Bei der Modernisierung gab es eine besondere Herausforderung: Die Anlage sollte mit größeren Kräften arbeiten als in der ursprünglichen Ausstattung. Die Experten von Bosch Rexroth entwickelten dafür Zylinder, die größeren Belastungen standhalten, dabei aber weiterhin in die vorhandene Stahlkonstruktion passen – was erhebliche Konstruktionsänderungen nötig machte. Sie statteten die Zylinder zusätzlich mit einem neuen Wegmesssystem aus, mit dem sich auf den Millimeter genau feststellen lässt, in welcher Höhe sich das Schütz beziehungsweise die Brücke gerade befindet. Die Modernisierung der Anlage soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Funktionsweise der Schiffsschleuse

Funktionsweise der Schiffsschleuse

Fährt ein Schiff vom höheren Süß- in den niedrigeren Salzwasserstand, so wird zuerst das linke Tor leicht geöffnet, damit Süßwasser in die Schleusenkammer fließt und sich der Wasserstand dort ausgleichen kann (1). Ist der richtige Stand erreicht, wird das Tor komplett gesenkt und das Schiff kann in die Kammer einfahren (2). Nun wird das rechte Schleusentor leicht geöffnet, damit sich das Wasser aus der Schleusenkammer mit dem aktuellen Salzwasserstand außerhalb ausgleicht (3). Ist der Wasserstand ausgeglichen, öffnet sich die Schleuse ganz und das Schiff kann sie in Richtung des Persischen Golfs passieren.