Marginale Spalte
Schweres Gerät für die Brückenwartung

Schneller Service für Eisenbahn-Hydraulik

Inhalt

März 2016

 

48 Stunden: Mehr Zeit hatte das Serviceteam von Bosch Rexroth in China nicht, um die Hydraulik an einem wichtigen Knotenpunkt des Eisenbahnnetzes zu warten. Ein Job für echte Profis.

Sie ist ein großer Meilenstein für das chinesische Eisenbahnnetz: Die Anfang 2003 in Betrieb genommene Guangdong-Hainan-Bahn verbindet die Schienennetze der beiden namensgebenden Provinzen per Eisenbahnfähre miteinander und schließt damit die Insel Hainan an. Ein großer Schritt nach vorne für die lokale Infrastruktur. Voraussetzung: Die Fähren müssen zuverlässig be- und entladen werden können. Feng Wang, Leiter der Abteilung für Management des Fährverkehrs der Guangdong-Hainan-Bahn, achtet genau darauf – nicht ohne Grund: „Man kann sagen, dass der Fährhafen der Insel Hainan das Nadelöhr der Bahn ist. Wenn hier ein Problem aufträte, würde sich das auf das Eisenbahnnetz auswirken!“ Um diese Prognose zu bestätigen, genügt ein Blick auf den Fahrplan: In der Vor- und Nachsaison muss die Fähre jeden Tag mindestens zehnmal fahren, in der Hauptsaison steigt die Frequenz auf 20 bis 30 Fahrten pro Tag.

Der Fährhafen der Insel Hainan ist das Nadelöhr der Guangdong-Hainan-Bahn.

Der Fährhafen der Insel Hainan ist das Nadelöhr der Guangdong-Hainan-Bahn.

 

Von Beginn an dabei: die Hydraulik

Die Fährhäfen sind für die Be- und Entladung der Fähren jeweils mit drei Fähranlegerbrücken ausgestattet, je eine für Passagiere, Kraftfahrzeuge und Züge. Bei den Brücken für Passagiere und Kraftfahrzeuge handelt es sich um einteilige Rampen, die jeweils mit zwei Hydraulikzylindern verfahren werden. Die 90 Meter langen Fähranlegerbrücken für alle Arten von Zügen bestehen aus drei gelenkig miteinander verbundenen Einzelrampen. Die Bewegung erfolgt über drei kardanisch gelagerte Zylinderpaare, die elektronisch gesteuert synchron fahren. Bis heute läuft die Anlage ausfallfrei. Damit das so bleibt, gibt es einen geregelten Wartungsplan. In einem festgelegten Turnus werden die Zylinder ausgetauscht.

Die Zeit drängt

Die Zylinder sind massiv – die eingesetzten Varianten zwischen 1,4 und 14 Tonnen schwer. Für den Wartungsfall lagern drei Zylinder vor Ort, die kurzzeitig als Ersatz dienen können. Das zuständige Serviceteam unterteilte die Arbeit in vier Phasen. Das bedeutete auch viermal Risiko für die Eisenbahngesellschaft, denn für jeden Austausch muss der Zugverkehr unterbrochen werden. Die Verantwortlichen schätzten, dass sich jeder Tag Zwangspause auf rund 300.000 Euro Kosten summieren würde. Wenig Spielraum für Jie Liu, Servicemanager bei Bosch Rexroth in China: „Unsere Vorgabe bestand darin, dass der Zugverkehr nur für 60 Stunden eingestellt werden durfte. Um genügend Puffer für eventuelle, nicht vorhersehbare Situationen zu haben, wollten wir die Arbeit sogar in höchstens 48 Stunden erledigen.“ Für das Team vor Ort bedeutete das einen Wettlauf gegen die Zeit. Nicht nur die Zylinder selbst, auch 8.000 Liter Öl und die entsprechenden Leitungen mussten getauscht werden.

Die 90 Meter lange Fähranlegerbrücke für Züge besteht aus drei gelenkig miteinander verbundenen Einzelrampen. Die Bewegungen erfolgen über drei Zylinderpaare.

Die 90 Meter lange Fähranlegerbrücke für Züge besteht aus drei gelenkig miteinander verbundenen Einzelrampen. Die Bewegungen erfolgen über drei Zylinderpaare.

 
Mit der Strecke Guangdong-Hainan wurde die Insel Hainan an das Schienennetz des chinesischen Festlands angebunden.

Mit der Strecke Guangdong-Hainan wurde die Insel Hainan an das Schienennetz des chinesischen Festlands angebunden.

Zwei Tage am Stück Betrieb

Das Serviceteam bestand aus 12 Ingenieuren, über 60 Arbeitern und Elektrikern sowie schwerem Gerät wie Kränen und Schwertransportern. Der Ausbau der Zylinder war Schwerstarbeit, bei der trotzdem jederzeit Fingerspitzengefühl gefragt war. Die salzige Seeluft hatte sich bereits an den Zylindern zu schaffen gemacht. Weitere Beschädigungen mussten unbedingt vermieden werden. Deshalb sorgte das Team dafür, dass das eingesetzte Personal jederzeit voll konzentriert arbeiten konnte und in Schichten arbeitete.

Die ausgebauten Zylinder kamen zur Überholung schnellstmöglich ins Werk von Bosch Rexroth in Changzhou. Dazu analysierten die Experten dort zunächst, welche Einzelteile ausgetauscht werden mussten. „Die Kolbenstangen waren nach wie vor in tadellosem Zustand, dafür mussten Dichtungen und Ventile getauscht werden“, sagt Lv Bin, Projektingenieur Service. Die Funktionsfähigkeit des Zylinders wurde dann durch mehrere Testverfahren sichergestellt. Nur zwei Wochen nach Anlieferung fuhr der Transporter die gewarteten Zylinder wieder zur Landungsstelle zurück, Start der nächsten Phase. „Neben den technischen Fragestellungen war vor allem das Timing jeweils ein großer Verwaltungsaufwand“, sagt Bin. „Die Eisenbahngesellschaft musste aufwendig die richtigen Zeitpunkte für Ein- und Ausbau der Zylinder finden – und wir mussten darauf flexibel reagieren.“ Das ist gelungen: Nach den geplanten Ausfallzeiten nahm die Bahn in jeder der vier Phasen ihren Verkehr wieder wie gewohnt auf.