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06.02.2013

Russland: Rohstoffgigant auf dem Weg zur modernen Industrienation

Als Rohstofflieferant ist Russland ein Gigant. Mit Erdgas, Öl, Diamanten, Gold und zahlreichen weiteren Rohstoffen erwirtschaftet der flächenmäßig größte Staat der Erde jährlich hohe Handelsüberschüsse. Allein 2011 standen Exporten von 516 Milliarden US-Dollar lediglich Importe in Höhe von rund 305 Milliarden US-Dollar entgegen. Aber sobald die Rohstoffpreise sinken, wie zuletzt in der Krise 2009, kehrt sich dieses Bild um. Diese Abhängigkeit von Rohstoffen hat die russische Regierung als Gefahr erkannt und strebt deshalb eine Modernisierung der russischen Industrie an. Das eröffnet dem internationalen Maschinenbau sehr interessante Wachstumsperspektiven in den nächsten Jahren.

Um die Jahrtausendwende machte das Schlagwort von den wachstumsstarken BRIC Staaten die Runde: Brasilien, Russland Indien und China wurden eine enorme wirtschaftliche Entwicklung vorausgesagt. Die tatsächliche Entwicklung übertraf, zumindest in China und Brasilien sowie teilweise in Indien, die Erwartungen. Russland dagegen erfüllte die Voraussagen nur partiell. Zwar schob sich das größte Land der Erde, dessen nominales Bruttoinlandsprodukt 1999 lediglich Rang 22 der größten Wirtschaftsnationen erreichte, bis 2012 auf den neunten Platz vor. Dieser Anstieg beruht aber vor allem auf gestiegenen Rohstoffpreisen. Rohstoffe stehen für rund 80 Prozent der russischen Exporte und finanzieren zu einem erheblichen Teil den Staatshaushalt.

Eine Million Maschinen älter als 20 Jahre

Die russische Industrie ist traditionell sehr stark in der Rohstoffförderung und –verarbeitung, der Schwerindustrie sowie der chemischen Industrie, Holzverarbeitung, der Textilindustrie und dem Flugzeugbau. Diese industrielle Basis arbeitet in weiten Teilen mit veralteten Maschinen und Anlagen und ist überwiegend international nicht wettbewerbsfähig. Die "Union der Maschinenbauer Russlands" hat ermittelt, dass in russischen Fabriken mehr als eine Million Maschinen im Einsatz sind, die 20 Jahre und älter sind. Eine Umfrage in der Industrie ergab, dass 30 Prozent der Unternehmen zum letzten Mal während der Sowjetzeit ihre Produktionsmittel modernisiert haben. Lediglich 25 Prozent der befragten Firmen hat in den vergangenen fünf Jahren eine umfassende Modernisierung vollzogen. Das verringert die internationale Wettbewerbsfähigkeit erheblich.

Erst am Beginn einer Modernisierungswelle

Traditionell konzentriert die russische Industrie sich auf einen weitgehend vor ausländischer Konkurrenz geschützten Heimatmarkt. Lediglich neun Prozent der Industrieunternehmen streben den Export über die „Gruppe Unabhängiger Staaten“ hinaus überhaupt an. Aber der WTO-Beitritt Russlands 2012 erhöht auf Dauer den Wettbewerbsdruck für die russische Industrie auf dem Heimatmarkt erheblich. Zur staatlich angestrebten Modernisierung der Wirtschaft und dem steigenden Importdruck kommt eine dritte Entwicklung hinzu: Der russische Automobilmarkt liegt laut dem Unternehmerverband Association of European Businesses (AEB) mit rund 3 Millionen verkauften Autos gleichauf mit dem größten westeuropäischen Markt Deutschland. Die russische Regierung verfolgt das Ziel, dass möglichst viele der im Land verkauften Fahrzeuge in Russland gefertigt werden. Westliche und asiatische Automobilhersteller und -zulieferer bauen daher massiv neue Produktionskapazitäten in Russland auf. Ein besonders hoher Bedarf besteht darüber hinaus an Textil-, Werkzeug- und Kunststoffmaschinen. Aktuell wächst der Import von Maschinen jährlich und erreichte 2011 bereits die Marke von rund 29 Milliarden Euro. Allein im 1. Quartal 2012 stieg die Einfuhr Russlands in der Warengruppe „Maschinen, Ausrüstungen und Transportmittel“ um 27,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum überproportional: Die Gesamteinfuhr legte im selben Zeitraum um nur 12,6% zu.

Mehr Informationen unter: www.boschrexroth.de

Demographische Entwicklung beschleunigt Automatisierung

Auch wegen der demographischen Entwicklung führt kein Weg an einer umfassenden Modernisierung der gesamten Industrie vorbei. Laut Feri EuroRating Services wird die russische Bevölkerung, derzeit rund 143 Millionen Menschen, bis 2020 um acht Millionen abnehmen. Diese Entwicklung zeigt sich bereits durch steigende Löhne und einen Fachkräftemangel. Das verstärkt den Druck, bei der Modernisierung zu automatisieren und menschliche Arbeit zu ersetzen. Trotz der demografischen Entwicklung bleibt Russland das bevölkerungsreichste Land Europas mit ständig wachsender Kaufkraft. Diese im Land zu halten, erfordert eine massive Modernisierung der Industrie und der Infrastruktur.

Bosch Rexroth in Russland

Bosch Rexroth ist bereits seit den 90er Jahren in Russland mit einer eigenen Landesgesellschaft präsent und hat eine Vielzahl an Komponenten und Modulen nach russischen GOST-Normen zertifiziert. Vor allem hat das Unternehmen ein lokales Netzwerk mit zahlreichen russischen Partnern aufgebaut, um so durch eine lokale Wertschöpfung die Anforderungen der Kunden vor Ort zu erfüllen. Moderne Systemlösungen für mobile Arbeitsmaschinen, vor allem in den Sektoren Landwirtschaft und Bau, steigern die Effizienz bei niedrigerem Energieverbrauch. Bosch Rexroth hat bereits Stahl- und Walzwerke als Generalunternehmer oder Partner regionaler Engineeringunternehmen mit moderner Antriebs- und Steuerungstechnik auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Als Generalunternehmer für die Bühnentechnik war das Unternehmen an der sechsjährigen Komplettsanierung des berühmten Bolshoi-Theaters in Moskau beteiligt.

 

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