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13.01.2015

Immer wieder aufs Neue eine große Herausforderung

Auf der kommenden Hannover Messe steht Indien als Partnerland im Blickpunkt. Als weltweit größter Traktorenproduzent erlebt der aufstrebende Subkontinent im Bereich landwirtschaftlicher Maschinen zurzeit einen Boom. Mit der elektrohydraulischen Hubwerksregelung EHC-8 hat Bosch Rexroth ein Produkt entwickelt, das die Qualität der Fahrzeuge und damit auch die Arbeitsbedingungen der Bauern verbessert.

Seit 2007 ist Sheshadri Raman bei Bosch Rexroth für den Vertrieb und das Branchenmanagement Land- und Forstmaschinen in Bangalore zuständig, und es gibt wohl kaum jemanden, der die Chancen und Herausforderungen in diesem regionalen Marktsegment so genau einschätzen kann wie er. Die Chancen: „Der indische Traktorenmarkt ist aktuell mit rund 600.000 Traktoren jährlich der größte der Welt. Und: „Bis 2018 erwartet die Branche einen Anstieg der Produktionsleistung auf 800.000 Stück“. Die Herausforderung: „Nur wer die lokalen Bedürfnisse der Kunden kennt, kann durch Innovationen diesen Markt erschließen.“ Sheshadri: „Um den wachsenden Hunger der Bevölkerung mit Produkten aus dem eigenen Land zu stillen, sind gerade auf dem Erzeugermarkt innovative Ideen gefragt. Für unsere Ingenieure ist das immer wieder aufs Neue eine große Herausforderung.“

Zwar berge, so Sheshadri, die Mechanisierung der indischen Landwirtschaft mit ihrem zunehmenden Maschineneinsatz ein enormes Wachstumspotential. Die vielfältigen und zum Teil extremen klimatischen Bedingungen auf dem Subkontinent verlangten jedoch stets nach extrem robusten Komponenten. So lassen z. B. heftige Monsunregen Anbauflächen im Schlamm versinken, gefolgt von extremer Dürre mit starken Staubwehen.

Um den Landwirten unter solchen Umständen bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, initiierte Bosch Rexroth 2011 das Projekt „EHC-8“. Unter dem Begriff „Electrohydraulic Hitch Control (EHC)“ verbirgt sich dabei ein elektronisch gesteuertes Hubsystem, das vor allem bei der Arbeit mit Pflügen und anderen Anbaugeräten zum Einsatz kommt. Ein Großteil der indischen Landwirte verfügt heute über Traktoren, bei denen die Pflugtiefe lediglich mechanisch geregelt wird – aufgrund der geringeren und verschleißbehafteten Regelgüte häufig ein wenig komfortables Unterfangen. Gerade hier, das hatten Entwickler bei Bosch Rexroth frühzeitig erkannt, konnte der Einsatz einer elektrohydraulischen Regelung die Arbeitsabläufe der Bauern effizienter gestalten. Uwe Falkenhain betreut das Projekt aus der deutschen Niederlassung in Schwieberdingen bei Stuttgart: „Durch genaue Kraft- und Lageregelung ist ein exaktes Heben und Senken des Hubwerks und damit eine effizientere Bodenbearbeitung möglich. Die Böden werden gleichmäßig und sanft aufgebrochen und bringen so bessere Erträge – komfortabler ist die Arbeit obendrein.“

Um die in Regionen wie Europa und Nordamerika etablierte Technik fit für den indischen Markt zu machen, waren jedoch umfangreiche Veränderungen unumgänglich. Vor allem zwei Kernprobleme galt es zu lösen. Viele der dortigen Bauern haben kleine Betriebe und kleinflächigere Äcker als z.B. in Europa. Deswegen werden vor Ort vornehmlich kleinere, wenig leistungsstarke Traktoren eingesetzt – nicht zuletzt auch aus Kostengründen. Zum anderen muss die Komplexität der Maschinen überschaubar gehalten werden, allein schon um Wartungen vor Ort vornehmen zu können. Dazu: Die meisten indischen Traktoren verfügen über kein Führerhaus und bieten dementsprechend kaum Schutz für die sensiblen elektronischen Komponenten. Auch hier waren innovative Konzepte gefragt.

Um die EHC-8 für indische Landwirte erschwinglich zu machen, musste die bestehende Technologie einem umfassenden Rationalisierungsprozess unterzogen werden. Welche Komponenten sind verzichtbar? Welche Materialien halten den spezifischen Bedingungen vor Ort stand? Und nicht zuletzt: Welche Komponenten können vor Ort produziert werden, um weitere Kosten zu sparen?

Fazit: Vor allem das Steuergerät der EHC-8 musste komplett neu entwickelt werden. Hier konnte man bei der Gehäusekonstruktion auf eine Indien-erprobte Entwicklung aus dem eigenen Hause zurückgreifen, die bereits erfolgreich im Tata Nano, dem indischen „Volksauto“, serienmäßig verbaut wird. Des Weiteren konnte man auf einen der beiden Zugkraftsensoren verzichten und somit die Kosten senken. Durch die Verwendung preisgünstiger und den lokalen Bedingungen besser angepasster Kunststoffe, vereinfachte Montage- und Automatisierungsprozesse konnten weitere Einsparungen erzielt werden. Am Ende gelang es tatsächlich, die EHC-8 zu einem für indische Traktorenhersteller attraktiven Preis anzubieten.

Nach den ersten Erfahrungen in 2014 ist man bei Bosch Rexroth mit der Entwicklung, technisch wie vertrieblich, sehr zufrieden. Der Erfolg wird dabei zum Anlass genommen, nach zusätzlichen Kostensenkungen Ausschau zu halten; weitere Absatzmärkte für die EHC-8 werden bereits sondiert. Entsprechend selbstbewusst blickt Falkenhain in die Zukunft: „Wir sind stolz darauf, in diesem Segment Marktführer bei der Technologie für Hydrauliksysteme zu sein. Mit der EHC-8 haben wir ein Produkt geschaffen, das viele Vorteile in sich vereint. Gerade in den Schwellenregionen der Welt wird es helfen, die landwirtschaftliche Arbeit zu vereinfachen und die Lebensbedingungen der Menschen dort zu verbessern. Uns wiederum gibt es die Möglichkeit, auch weiterhin in diesem Sektor zu wachsen.“

 

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