Vorsprung durch Wissen

Marginale Spalte

Oben: Hydropraktikator von 1971 (links) / modernes Automationstrainingssystem (rechts)

November 2011

 

Know-how ist für Technologieunternehmen die Basis für wirtschaftlichen Erfolg. Seit 50 Jahren gibt Bosch Rexroth dieses Wissen weiter.

 
 

Die beste Technik ist nichts wert, wenn der Kunde nicht versteht, wie sie funktioniert. Diese Erkenntnis treibt Bosch Rexroth Anfang der 1950er-Jahre um, als das Unternehmen beginnt, sich mit der Hydraulik zu beschäftigen. In Deutschland steckt die neue Technologie der Ölhydraulik zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen.

Schnell ist klar: Die Kunden lassen sich von der neuen Technik nur überzeugen, wenn sie ihren Nutzen erkennen. Ab Anfang der 1960er-Jahre vermittelt das Unternehmen deshalb nicht nur den eigenen Mitarbeitern die Grundlagen der Hydraulik, sondern auch interessierten Kunden.

Keine Theorie ohne Praxis

1962 finden die ersten drei offiziellen Schulungen statt – mit jeweils etwa 15 Teilnehmern. Die Zahl erhöht sich aber rasch: 1975 nehmen jährlich schon zwischen 300 und 400 Interessierte das Fortbildungsangebot wahr. „1987 hatten wir pro Jahr rund 2.500 Teilnehmer“, erinnert sich Arno Schmitt, der damals als Leiter Technisches Training und späterer Ausbildungsleiter das Schulungsangebot weiter ausbaut. Er veröffentlicht das erste hydraulische Lehrhandbuch, den Rexroth-Klassiker „Der Hydraulik-Trainer“.

Dabei gehört es schon früh zur Firmenphilosophie, nicht nur theoretisches, sondern auch praktisches Wissen zu vermitteln. Entsprechende Lehrmittel für Praxisschulungen fehlen allerdings noch. Bei Rexroth setzt Schmitt darum das erste hydraulische Lehrsystem um, das er im Rahmen seiner Diplomarbeit bereits vor der Veröffentlichung seines Lehrhandbuchs entwickelt hatte: den „Hydropraktikator“. Lehrsysteme für die Proportional- und Servotechnik, für Mechatronik folgen.

„Damit konnten die Teilnehmer Schaltungen aufbauen und das Verhalten von Geräten kennenlernen“, erinnert er sich. „Diese Kenntnisse waren wichtig für das Betreiben, die Fehlersuche und das Einstellen von Anlagen.“ Die Kurse zur „Inbetriebnahme und Wartung ölhydraulischer Anlagen“ sind auch bei den Monteuren gefragt, von der Umsetzung in Didaktikmedien profitieren Schulen und Universitäten.

Wissen im Wandel

Zeitgemäße Schulungskonzepte begleiten in den 1990er-Jahren die Entwicklung von Rexroth zum Systementwickler und Automationsspezialisten. Neue Antriebs- und Steuerungstechnologien sowie die Simulation von Systemen fließen in die Lehrsysteme mit ein. Sie werden komplexer, und das verändert auch die Lernkonzepte: „Früher lag der Fokus darauf, einzelne Komponenten zu betrachten, heute geht es im Training stärker um die Gesamtbetrachtung von Systemen“, sagt Schmitt.

Moderne Automationstrainingssysteme, mit denen sich komplexe Prozesse simulieren lassen, haben den Hydropraktikator mittlerweile abgelöst. Nicht nur die Inhalte, auch die methodisch-didaktischen Herangehensweisen sind nun andere. In der Drive & Control Academy vermittelt Bosch Rexroth seinen Kunden und dem technischen Nachwuchs heute Wissen zwar nach wie vor im Präsenztraining, aber auch via eLearning beziehungsweise Blended Learning, ein Modell, das computerbasiertes Training mit klassischer Wissensvermittlung im Schulungsraum kombiniert. Kooperationen mit Bildungszentren und Universitäten gehörten von Anfang an zum Bildungsangebot. Daran hat sich bis heute nichts geändert.