Cost Engineering: Punktlandung bei Kosten und Nutzen

Marginale Spalte

Juli 2013

 

Global unterschiedliche Kundenanforderungen und eine ausgeprägte Preissensibilität fordern einen ganzheitlichen Ansatz bei Produktanpassung und Kostenoptimierung.

 
 

„Man kann es nicht jedem recht machen“ ist ein Spruch, der künftig seltener zu hören sein wird. Vor allem in Unternehmen, die sich auf dem Weltmarkt behaupten müssen. Denn hier wird diese alte „Weisheit“ gerade in ihr Gegenteil verkehrt: Wer sich im globalen Wettbewerb durchsetzen will, muss es jedem recht machen.

Die Märkte fordern individuell angepasste Leistungsbündel zum individuell optimalen Preis. Erfüllt ein Produkt die quantitativen und funktionalen Anforderungen nicht, ist der Kunde weg – und das Image des Lieferanten angekratzt. Ist das Produkt „over-engineered“, ist es in der Regel auch preislich eine Nummer zu groß und fällt damit beim Kunden ebenfalls durch. Letzteres erfahren insbesondere westliche Hightechschmieden immer häufiger.

Nicht jeder Kunde braucht technisch hochkomplexe Ingenieurskunstwerke zum Premiumpreis. In vielen Ländern sind „Just-enough-Konzepte“ gefragt, die keine überflüssigen Leistungsreserven vorhalten, aber auch keine Kompromisse bei der optimalen Erledigung der Kernaufgaben machen. „Die Zielsetzung ist die Erfüllung der Kundenanforderungen in den Zieldimensionen Funktionalität und Qualität zu Kosten, die innerhalb der Zahlungsbereitschaft der Kunden liegen“, formuliert der renommierte deutsche Wirtschaftsprofessor Horst Wildemann das Gebot der Stunde.

Diese Zielsetzung ist nicht neu, das richtige Produkt zum richtigen Preis anzubieten, gehört zum kleinen Einmaleins jedes Unternehmens. Im heutigen globalisierten Unternehmensumfeld wird daraus aber zunehmend eine komplexe Gleichung mit nicht selten mehreren Unbekannten.

Mit welchen technischen Schlüsselfunktionen gelingt der Markteintritt in Brasilien? Sind 2.356,50 Dollar wirklich der optimale Einkaufspreis für Bauteil X? Mit welchen Arbeitskosten ist im kommenden Jahr in der Region Chongqing zu rechnen? Verschärft wird diese komplexe Aufgabenstellung durch die zunehmende Verlagerung der Wertschöpfung in die Absatzmärkte. Länder wie China, Indien oder Brasilien sind nicht mehr nur die verlängerte Werkbank, sie fordern Teilhabe am globalen Wirtschaftsgeschehen.

Die Folge ist für viele multinationale Unternehmen ein Spagat zwischen Standardisierung und Individualisierung: Den kostensenkenden Skalen- und Lerneffekten von Standardprodukten steht die notwendige Lokalisierung von Produkten, Services und Prozessen gegenüber. Eine weitere Herausforderung ist das volatile rechtliche und wirtschaftliche Umfeld in vielen Ländern. Rohstoffkosten, Löhne, Zölle und Währungskurse sind bewegliche Ziele, die entsprechend schwer zu treffen sind.

Cost Engineering: umfassend gestalten statt reaktiv kürzen

Für die angestrebte Punktlandung bei Kosten und Kundennutzen kann Cost Engineering als umfassendes „Navigationssystem“ helfen. Cost Engineering bezeichnet das maßgeschneiderte Management von Produktkosten über den gesamten Produktlebenszyklus. Das Ziel ist bestmöglicher Kundennutzen bei gleichzeitiger Minimierung der Kosten.

Zum Einsatz kommt also nicht nur der gespitzte Rotstift, sondern ein Bündel an Methoden und Techniken aus den Bereichen Benchmarking, Controlling und Operations Management. Der Ansatz zielt darauf ab, Kosten aktiv, konsequent und umfassend zu gestalten. Konkrete Aufgaben sind die Erstellung von Kostenprognosen (zum Beispiel Zielkostenermittlung), die Planung von Produktkosten auf Komponentenebene (Zielkostensplitting), Design-to-Cost, Controlling und Minimierung der geplanten Produktkosten während der Produktentwicklung, Controlling der Ist-Produktkosten sowie die kontinuierliche Produkt- und Prozessoptimierung während des gesamten Produktlebenszyklus.

Cost Engineering …

...schafft eine Faktenbasis über die Bedürfnisse der Märkte, die Angebote des Wettbewerbs und die eigene Leistungsfähigkeit.

...erhöht die Prognosegenauigkeit von Kosten und Zeiten durch den Einsatz von effektiven Kostenmodellen.

...schafft durch konsequentes Controlling von Kosten und Zeiten Kostentransparenz über den gesamten Produktlebenszyklus.

...minimiert durch kontinuierliche Kosten- und Prozessoptimierung die Produktkosten und die Entwicklungszeiten.