Kosmopolit F&E: Mit Local Engineering Wettbewerbsvorteile sichern

Kosmopolit F&E: Mit Local Engineering Wettbewerbsvorteile sichern
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November 2014

 

F&E wandert zunehmend in lokale Märkte – und wird damit zu einem wichtigen Erfolgsfaktor globaler Unternehmen.

 

Innovationen sind das Lebenselixier jedes Technologieunternehmens. F&E-Abteilungen sind Innovationstreiber – und daher Grundpfeiler der Wettbewerbsfähigkeit. Um sie zu erhalten, ist es aber notwendig, in den Wachstumsregionen präsent, also nah an den Kunden zu sein, mit lokalem Fachpersonal und Wissen. F&E emanzipiert sich daher zunehmend von der Zentrale und begründet eigene lokale Einheiten.

Attraktive Schwellenländer

Die Rahmenbedingungen für die Verlagerung haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Informations-, Transport- und Koordinationskosten sinken stetig. Der Anteil von Schwellenländern an der Weltproduktion steigt. Zudem haben sie in den vergangenen zehn Jahren in den Bereichen Bildung, Forschung und Einsatz moderner Technologien aufgeholt. Diese Länder haben daher eine große Anziehungskraft für Local Engineering. So beginnen beispielsweise in China schon seit 2010 jedes Jahr mehr Menschen ein Studium als in der EU, den USA und Japan zusammen. Angesichts der zunehmend besseren Ausbildung in diesen Ländern und der wachsenden Erfahrung mit F&E werden sie immer stärker zu vollwertigen Kompetenzzentren, die dezentral eigenständig neue Produkte entwickeln, anstatt sie nur an den lokalen Markt anzupassen.

Plattform auch für Personal

Zentrale F&E-Abteilungen sind weniger abhängig vom alltäglichen Handlungsdruck und können besser an langfristigen Innovationsprojekten arbeiten. Daher herrscht häufig noch eine zentrale Organisationsstruktur in Unternehmen vor, bei der die Mutter im Heimatland die funktionale Basisentwicklung einer Plattform leistet und die Auslandstöchter als serviceorientierte F&E-Labore die Produkte auf die Anforderungen ihrer lokalen Kunden zuschneiden. Denn die lokale Einheit weiß besser um die Bedürfnisse ihrer Kunden vor Ort – doch dafür bedarf es auch des passenden Personals. Daher spielt der Plattformgedanke nicht nur bei Produkten eine wichtige Rolle für Local Engineering, sondern auch im Ringen um die Fachkräfte vor Ort. „Der Schlüssel zur Lokalisierung des Geschäfts ist, globale Plattformen mit lokalen Implementierungen aufzustellen“, sagt Josh Bersin, Gründer der Personalberatung Bersin by Deloitte, und meint damit die Personalstruktur des Unternehmens*. Ein überschaubarer Kern an globalen Kompetenzen, Grundsätzen, Zielvorgaben und Softwaresystemen muss dabei genügend Flexibilität für lokale Aus- und Weiterbildung, Ziele und Nutzerlösungen bieten – um auf den lokalen Arbeitsmärkten erfolgreich zu sein.

Integriertes Netzwerk

Die Einbindung des neuen F&E-Standorts in die bestehende F&E-Struktur ist von zentraler Bedeutung, um Ineffizienz oder Parallelentwicklungen zu vermeiden. Eine Möglichkeit, die lokalen Kompetenzen bestmöglich zu nutzen, bietet die Idee eines integrierten F&E-Netzwerks. Hier wird jeder Standort zu einem Kompetenzzentrum für ein Produkt oder eine Technologie. Innerhalb dieses Verantwortungsbereichs koordiniert es F&E-Aktivitäten auch global. Dieser Ansatz verspricht hohe Effizienz, relevante Lernprozesse an allen Standorten sowie eine positive Kombination von Spezialisierungs- und Synergieeffekten. Prof. Hagen Lindstädt vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) spricht solchen „Hybridmodellen“ auf zentralen und dezentralen Ansätzen die größten Erfolgsaussichten zu.

* Josh Bersin: „The world is not global, it’s local”. Forbes, 23. April 2013, http://onforb.es/14LBeZv