Marginale Spalte

Prof. Dr.-Ing. Gisela Lanza, Institutsleiterin Produktionssysteme, Karlsruher Institut für Technologie

Foto: Prof. Gisela Lanza

Drei Fragen an Prof. Dr.-Ing. Gisela Lanza

November 2011

 
 
 

Frau Professor Lanza, wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Potenziale des TCO-Gedankens?

Gerade die Hersteller qualitativ hochwertiger Maschinen können sehr von dieser Entwicklung profitieren, da sie ihre unter Umständen höheren Investitionskosten betriebswirtschaftlich klar begründen können. Dies bringt ihnen einen signifikanten Wettbewerbsvorteil. Außerdem führen die Überlegungen bei Betreibern zu den Themen Lebenszyklus- und Instandhaltungskosten zu einer immer größeren Nachfrage nach produktbegleitenden Dienstleistungen, wie sie häufig von den Maschinenherstellern angeboten werden.

Nicht zuletzt bietet der mit den meisten TCO-Konzepten einhergehende vertiefte Austausch zwischen Maschinenhersteller und -betreiber dem Hersteller die Möglichkeit, die Einsatzbedingungen und -probleme seiner Produkte zu erfahren und damit die Maschinen kontinuierlich kundenorientiert zu verbessern.

Werden diese Potenziale im Maschinen- und Anlagenbau erkannt und gehoben?

Die Unternehmen haben das Thema als bedeutend erkannt, adressieren es allerdings unterschiedlich oder sind in unterschiedlichen Phasen der Umsetzung geeigneter Konzepte. Sehr viel hat sich in den letzten Jahren beim Thema technische Dienstleistungen getan.

Dies gibt den Herstellern die Möglichkeit, ihre Maschinen auch noch nach Ablauf der Garantiezeit im Feld zu beobachten, um das Betriebsverhalten der eigenen Maschinen mit unterschiedlichen Produktionsanforderungen zu analysieren, und ermöglicht so ein besseres Verständnis der TCO-Thematik.

Wo stehen wir international in Sachen TCO?

Da die deutsche Volkswirtschaft wie wenige andere Länder von hochwertiger Produktionstechnik geprägt ist, gibt es in relativ wenigen Ländern vergleichbare Konzepte. Die internationale Automobilbranche, die in Deutschland eine führende Rolle einnimmt, ist größter Abnehmer des Maschinen- und Anlagenbaus.

Die Befriedigung des Kundenwunsches nach hochwertigen Produktionsanlagen zur kontinuierlichen Steigerung der Produktivität führt zu einer zunehmenden Bedeutung des TCO-Ansatzes im Maschinen- und Anlagenbau vor allem in Deutschland. Das Institut für Produktionstechnik unterstützt die Unternehmen und Kunden im Maschinen- und Anlagenbau dabei, von dieser Entwicklung zu profitieren.

Als Pionier des TCO-Ansatzes im Automobilbau gilt Ford. Dessen Maschinenlieferanten wiesen im Jahr 2001 erstmals Fehlerraten (MTBF) und mittlere Reparaturzeiten (MTTR) für verschleißrelevante Komponenten aus. Die Zeitschrift „Fertigung“ schreibt, dass in den USA und Großbritannien weniger das Thema TCO eine Rolle spielt als vielmehr die Themen Zuverlässigkeit und Instandhaltung.

Im internationalen Vergleich kann festgehalten werden, dass der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland im Bereich TCO und Lebenszykluskosten eine führende Stellung einnimmt. Leicht abweichende TCO-Konzepte existieren im internationalen Vergleich, deren Bedeutung aber nur schwer vergleichbar ist.