Schneller zum individuellen Prüfstand

Schneller zum individuellen Prüfstand

März 2015

 

Dank Open Core Engineering programmiert die Kraus Automatisierungs-Technik GmbH schneller maßgeschneiderte Prüfstände für ihre Kunden – und muss dafür keine einzige Zeile SPS-Code schreiben.

Qualität ist für Unternehmen weltweit einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Deshalb setzen sie auf automatisierte Prüfprozesse wie regelmäßige Lebensdauertests, Ermüdungstests oder Werkstoffprüfungen. Die entsprechenden Prüf- und Messmaschinen müssen die Maschinenhersteller kundenindividuell anpassen. Dafür nutzen viele die Softwarelösung LabVIEW vom Hersteller National Instruments. Als grafisches Programmiersystem kommt es immer dann zum Einsatz, wenn es um Erfassung und Aufbereitung messtechnischer Daten sowie Anbindung von Messsensorik für Prüfprozesse geht.

Eine Aufgabe – eine Oberfläche

Auch die Kraus Automatisierungs-Technik GmbH (KAT) setzt auf LabVIEW. Das Unternehmen aus dem unterfränkischen Haßfurt stellt Prüfstände unter anderem für die Automobilindustrie her, etwa um die Lebensdauer von mechanischen Elementen möglichst realitätsnah zu prüfen. Bis vor Kurzem mussten die Mitarbeiter bei KAT neben der Programmierung in LabVIEW auch ein SPS-Programm für den eigentlichen Maschinenablauf einer Prüfmaschine erstellen. Das kostete Zeit und war kompliziert. Zudem mussten die Programmierer über fundierte Kenntnisse in beiden Systemen verfügen und zwei völlig verschiedene Oberflächen benutzen. Deshalb suchte KAT eine integrative Lösung, die auch das Engineering der Prüfstandsautomatisierung direkt aus LabVIEW heraus leisten kann. „Diese Möglichkeit haben wir heute mit Open Core Engineering von Rexroth“, sagt Stefan Besendorf, Geschäftsführer von KAT. Die neue Schnitt­stellen­technologie Open Core Interface erlaubt die Programmierung einer Maschine über die LabVIEW-Software, ohne eine Zeile SPS-Code zu schreiben.

„Mit Open Core Engineering arbeiten wir mit weniger Schnittstellen. Das ist effizient und minimiert das Fehlerrisiko. Ein Programmierer hat die komplette Aufgabenstellung in der Hand, sodass wir auch bei der Ressourcenplanung wesentlich flexibler sind“, erklärt Besendorf. Eine nahtlose und vollständige Integration der Steuerungs- und Antriebsfunktion in die LabVIEW-Entwicklungsumgebung ermöglicht die ausschließliche Programmierung in LabVIEW. Das ver­einfacht und beschleunigt die Inbetriebnahme kundenspezifischer Prüf- und Messmaschinen. Auch die Kunden von KAT profitieren von Open Core Engineering. Sie können über LabVIEW selbstständig Modifikationen an einer Prüfmaschine vornehmen, ohne dass sie dafür SPS-Kenntnisse benötigen.

Reduzierte Komplexität

Diese Effizienz in der Programmierung von Mess- und Prüfanlagen über das Open Core Interface stellt Rexroth mithilfe eines Software Development Kits (SDK) zur Verfügung. Mit ihm können Nutzer in Verbindung mit den Steuerungssystemen IndraMotion MLC und IndraLogic XLC direkt aus ihrer Anwendung auf Steuerungsfunktionen zugreifen. Der Programmierer importiert über ein Zusatzpaket diese Bibliotheken in LabVIEW und hat somit über 550 virtuelle Instrumente (VI) zur Verfügung.

KAT nutzt diese neue Freiheit zum Beispiel für den Tippbetrieb von Achsen, aber auch für Geschwindigkeitsfahrten, die Positionsregelung oder das Ein- und Ausschalten des zugehörigen Antriebsreglers in LabVIEW. Auch die Signale der Sensorik und Aktorik, die an den SPS-Ein- und Ausgangsmodulen verdrahtet sind, stehen direkt zur Verfügung. „Alles ist fertig ausprogrammiert. Wir müssen die VIs also nur noch in eine Klasse einbinden und sind auch in der Lage, Schrittketten für den eigentlichen Maschinenablauf zu bilden“, erklärt KAT-Entwickler Uwe Schweinfest. „Somit können wir unsere Arbeit auch für weitere Projekte ohne großen Aufwand wiederverwenden.“