Einfach antreiben lassen

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Fotos: Dieci S.r.l.

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November 2014

 

Mit der Fahrantriebslösung 2+1 von Rexroth ist der neue Teleskoplader von Dieci S.r.l. richtig sparsam. Der Alleskönner ist sogar schon über die Alpen gefahren.

 

Teleskoplader sind bei Landwirten sehr beliebt: Sie können schieben und ziehen, helfen beim Ausmisten, heben schwere Lasten auf große Höhen, dienen als Transportmaschine und eignen sich sogar fürs Pflügen. Kurz: Sie sind kompakte und wendige Universalgeräte für viele Einsatzbereiche. Das italienische Unternehmen Dieci S.r.l. ist ein Pionier auf diesem Gebiet: 1983 stellte es als erstes in Europa einen Teleskoplader her. Inzwischen zählt der Hersteller aus der südlich von Parma gelegenen Gemeinde Montecchio Emilia zu den weltweit führenden Unternehmen dieser Sparte. „Mitte 2012 kam Dieci auf uns zu und wollte für einen neuen Teleskoplader ein komplett abgestimmtes Antriebssystem, bestehend aus Steuerung, Antrieb und Getriebe, das auch das Thema funktionale Sicherheit abdeckt“, erinnert sich Roland Friedl, Vertrieb und Branchenmanagement Telehandler bei Bosch Rexroth in Elchingen. Er war maßgeblich an der Entwicklung des Agri Plus 40.7 VS Evo2 beteiligt, mit dem inzwischen Landwirte in ganz Europa ihre Höfe bewirtschaften und der dem Stand der Technik entspricht: Er verfügt über ein effizientes Antriebssystem, ermöglicht stufenloses Fahren ohne Zugkraftunterbrechung, verbraucht wenig Kraftstoff und erfüllt die neuesten Abgasnormen.

2+1 = sparsam

Möglich macht dies in erster Linie der elektronisch geregelte hydrostatische Fahrantrieb 2+1 von Rexroth, der zum ersten Mal in einem Teleskoplader dieser Leistungsklasse zum Einsatz kommt. Das Prinzip hinter diesem Antriebskonzept: Ein 96 Kilowatt starker Dieselmotor treibt zwei Hydraulikmotoren – einen kleineren Konstant- und einen Verstellmotor – an. Sie setzen in Verbindung mit einem Getriebe und einer Schalteinrichtung den Teleskoplader in Bewegung. Der Bediener kann so während der Fahrt vom Arbeitsgang in den zweiten, den sogenannten Überführungsgang schalten – und zwar automatisch oder manuell. „Wer beim Auto auf die Kupplung tritt, unterbricht den Antrieb zwischen Motor und Getriebe. Das ist bei unserer Lösung nicht der Fall, da gibt es keine Zugkraftunterbrechung“, betont Friedl. Wenn der Agri Plus mit einem tonnenschweren Hänger einen Berg hochfährt, bleibt er also nicht stehen, wenn er in den ersten Gang zurückschaltet. Trotz der besseren Leistung verbraucht das neue Fahrzeug nach Angaben von Dieci 20 Prozent weniger Kraftstoff.

Bei Landwirten sind Teleskoplader beliebt, weil sie wendig und vielfältig einsetzbar sind. Fotos: Dieci S.r.l.

 

Clever gelöst

Die Einsparung gelingt, weil die beiden Hydraulikmotoren intelligent aufeinander abgestimmt sind. Braucht der Agri Plus 40.7 VS Evo2 im Arbeitsgang die volle Kraft, kommen beide zum Einsatz. Bei hohen Geschwindigkeiten im Überführungsgang oder wenn der Fahrer nur wenig Leistung abruft, wird der Verstellmotor ausgekuppelt, da der kleinere Motor ausreicht. Benötigt das Fahrzeug wieder mehr Kraft, schaltet sich der Verstellmotor erneut dazu. „Dadurch konnten wir den Wirkungsgrad deutlich verbessern“, führt Friedl einen weiteren Vorteil an. Zusätzlich gibt es noch einen Eco-Mode, den der Fahrer bei geringem Leistungsbedarf auf Knopfdruck einschalten kann. Dieser senkt dann die Drehzahl des Dieselmotors ab, ohne die Fahrgeschwindigkeit zu beeinträchtigen. Dazu kommuniziert das Steuergerät des Fahrantriebs über CAN-Bus mit der Motorsteuerung. Durch die kraftstoffsparende Antriebslösung liefert Bosch Rexroth einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Lader die Abgasnorm TIER 4 final einhält.

Zukunftsweisend sicher

„Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Entwicklung war die funktionale Sicherheit nach der europäischen Norm 13849“, berichtet Friedl. Sie soll gewährleisten, dass die Steuerung bei Maschinen zuverlässig funktioniert und niemanden gefährdet. Für Teleskoplader galt es, zu diesem Zeitpunkt ein neues Sicherheitskonzept zu erarbeiten, das den Anforderungen entspricht.

Starkes Ventil

Ein Teleskoplader kann mit seinen ausfahrbaren Kranarmen Lasten auf große Höhen bringen. Landwirte nutzen diese Funktion beispielsweise, um Strohballen auf die Dachböden ihrer Scheunen zu heben. Der Agri Plus 40.7 VS Evo2 kann dabei bis zu vier Tonnen in eine Höhe von sieben Metern stemmen. Das Ventil Control Plus von Rexroth sorgt dafür, dass auch dies nur wenig Energie benötigt. Der Nutzer steuert über einen hydraulischen Joystick die Arbeitshydraulik des Kranarms. Dabei ermöglicht das Ventil das Absenken ohne Motorleistung, allein mithilfe der Schwerkraft. Zudem ist für die Absenkbewegung nur ein niedriger Steuerdruck nötig. Unterm Strich spart die Maschine dadurch Kraftstoff und der Fahrer kann die Lasten auch viel präziser positionieren, da der Feinsteuerbereich für einen reibungslosen, gleichmäßigen Bewegungsablauf sorgt.

Der Agri Plus 40.7 VS Evo2 von Dieci ermöglicht zudem Schalten ohne Zugkraftunterbrechung. Fotos: Dieci S.r.l.

 

Vielseitig einsetzbar

„Insgesamt haben wir dem Nutzer die Bedienung so einfach wie möglich gemacht. Er kann sich auf seine Arbeit konzentrieren und muss sich nicht um Gangwechsel oder das Getriebe kümmern“, hebt Friedl die positiven Eigenschaften hervor. Der Vorteil des hydrostatischen Antriebssystems von Rexroth ist, dass es sich für andere Leistungsklassen ohne großen Aufwand modifizieren lässt, sei es durch stärkere oder schwächere Hydraulikmotoren oder durch unterschiedliche Getriebe. So gibt es neben 2+1- auch 1+0-, 1+1- oder 2+3-Fahrantriebe. Diese Antriebe eigenen sich nicht nur für Teleskoplader, sondern auch für Bagger, Gabelstapler, Radlader oder Erntemaschinen.

Reise über die Alpen

Für Landwirte, die sich einen Teleskoplader teilen, ist die Fahrtüchtigkeit auf Straßen ein wichtiges Kriterium, da die Maschine zwischen den Einsatzorten pendeln muss. Wie gut sich der Agri Plus 40.7 VS Evo2 auch für weite Strecken eignet, zeigten Mitarbeiter eines tschechischen Händlers, die dieses Jahr im März zu wohltätigen Zwecken mit dem fast fünf Tonnen schweren Gefährt die 878 Kilometer lange Strecke zwischen dem italienischen Firmensitz und der Tschechischen Republik bei einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern in weniger als 37 Stunden meisterten.