Design-to-Region: Neue Konzepte für die Wachstumsmärkte

Marginale Spalte

März 2012

 
 
 

Europäische und amerikanische Anwender stellen häufig andere Anforderungen an Maschinen als die der Emerging Markets. Dort sind in den vergangenen Jahren viele Tausend kleine und mittel­ständische Zulieferer entstanden, für die High-End-Lösungen aus Europa zu komplex und zu teuer sind.

Auf der anderen Seite erreichen sie mit einfachen Maschinen aus heimischer Fertigung oft nicht die geforderten Ergebnisse. Dadurch entstand in zahlreichen Maschinenbaubranchen ein neues Marktsegment für „Just-enough-Maschinen“. Dieser Begriff bezeichnet neue Konzepte, die in ihrer Funktion genau auf bestimmte Anwendungen zugeschnitten sind.

Den Einstieg in diese neuen Segmente hat Bosch Rexroth durch ein konsequentes Design-to-Region erreicht. Die ersten gemeinsam von asiatischen und deutschen Ingenieuren entwickelten Produkte sind bereits erfolgreich in den Markt eingeführt, zum Beispiel die IndraMotion MTX micro, eine CNC-Systemlösung für Hochproduktionswerkzeugmaschinen. Auf dem Hard- und Softwarekern der High-End-Lösung entstand dieses neue Produkt für die Emerging Markets.

Das heißt, der Maschinenhersteller nutzt die gleichen Engineeringtools und erzielt die gleiche Präzision in der Bearbeitung wie bei den bekannten Varianten, Funktionalität und Bedienung sind aber speziell auf diese Märkte zugeschnitten. Das schöpft Skaleneffekte weltweiter Produktplattformen aus und erschließt gleichzeitig bislang nicht erreichbare Anwendungen.

Eine weitere Herausforderung, die nur regionale Entwicklungskapazitäten lösen können, ist das Erkennen und Umsetzen von kaufentscheidenden Soft Facts. In den 80er-Jahren entschieden sich amerikanische Käufer oft gegen deutsche Autos, weil diese keinen Getränkehalter hatten. Auch im Maschinenbau spielen weiche Faktoren eine wichtige Rolle.

Beispiel Baggermarkt in Asien: Dort sind die Anwender seit Jahrzehnten ein bestimmtes Bediengefühl gewohnt, das den Maßstab für Neuanschaffungen setzt. Neue Emissionsvorschriften forcieren aktuell den Technologiewandel hin zu elektronisch gesteuerter Arbeitshydraulik. Diese von Europa und Amerika getriebene Entwicklung nahm bislang auf die asiatischen Anforderungen keine Rücksicht. Nun haben asiatische Rexroth-Entwickler die Software einer Systemlösung so angepasst, dass sie das in Asien gewohnte Bedienge­fühl erhält und gleichzeitig den Dieselverbrauch um bis zu 20 Prozent reduziert. Diese Lösung wurde nur durch die regionale Nähe zu den OEMs und Endanwendern möglich.