Druckers Liebling

Marginale Spalte

Oben: Eine Alprinta V-Hybridmaschine mit vier Offsetdruckwerken und einem Flexodruckwerk.

Druckzylinderwechsel in nur zwei Minuten beim stufenlos formatvariablen Alprinta-V-Druckwerk.
Foto: Müller Martini

März 2012

 

Müller Martini mischt die Karten auf dem Markt des Verpackungsdrucks neu: Offsetdruckmaschinen dringen in neue Anwendungsbereiche vor.

 
 

Bunte Folien, Beutel, Etiketten in jeder erdenklichen Form – der Druck von flexiblen Verpackungen muss kostengünstig, schnell und variabel sein. Bislang setzen Drucker deshalb auf Flexo­ und Tiefdruckverfahren, weil damit unterschiedlichste Druckformate verhältnismäßig leicht umzusetzen sind.

Beim konventionellen Rollenoffsetdruck hingegen fallen bei einem Formatwechsel schnell hohe Materialkosten an, da die kompletten Druckeinschübe getauscht werden müssen. Der große Vorteil des Verfahrens geht so verloren: die günstige, schnelle und einfache Herstellung der Druckformen durch Belichtung. Die Alprinta V der Schweizer Firma Müller Martini macht diesen Vorteil nun auch für den Druck flexibler Verpackungen nutzbar: mit dem stufenlos formatvariablen Rollenoffsetdruck.

Variabler ohne Welle

Möglich wird das vor allem durch den Einsatz einer Automationslösung für wellenlose Druckmaschinen von Rexroth. Dank der modernen Technik, die auf präzise synchronisierte Einzelantriebe – die sogenannte „elektronische Welle“ – setzt, reduzierte sich die Rüstzeit deutlich. Der leichte Zylinder eines Motivänderungen und Aufträgen mit geringer Wiederholwahrscheinlichkeit rechnet.

Der Rollenoffsetmaschine eröffnet dies neue Anwendungen und ermöglicht zudem den Einsatz bei Auflagen, die bislang von Bogenmaschinen dominiert wurden. Eines der zentralen Elemente der Lösung ist die Motion-Logic-Steuerung. Beispielsweise erleichtert das „Axis Interface“ der SPS den Zugriff auf relevante Antriebsparameter in der Sprache des Maschinenprogramms. Das Engineering der SPS und der Motion Control der Antriebe ist somit einfacher und transparenter.

So schafft die Alprinta V, woran ihre herkömmlichen Offset-Verwandten scheitern: die Verarbeitung sehr dünner und dehnbarer Folienmaterialien für flexible Verpackungen. Müller Martini hat dafür das Verfahren StretchCorrectTM entwickelt – ein optimales Zusammenspiel des Antriebskonzepts aus Einzel­antrieben und der elektronischen Getriebe, die die Einstellung der Zylinderdrehzahlen im Promillebereich ermöglichen. Die Umstellung der Prozessparameter erfolgt dabei per Knopfdruck.

Nutzerfreundlich und sicher

Die Steuerung spielt ihre Bedienerfreundlichkeit aber schon während der Inbetriebnahme aus. Durch die nahtlose Anbindung an die Maschinenbedienung kann die Zusammenstellung der Maschinenmodule flexibel konfiguriert werden. Das verkürzt die Inbetriebnahmezeit und ermöglicht spätere Erweiterungen der Maschine um Druckwerke oder Nachbearbeitungsmodule, beispielsweise zum Laminieren.

Zudem beinhaltet die Automationslösung von Rexroth zahlreiche vorkonfigurierte prozesstypische Funktionen, die aufwendiges Programmieren durch einfaches Parametrieren ersetzen. Auch die funktionale Sicherheit ist ein integraler Bestandteil des Systems. Die zertifizierte Sicherheitstechnik Safety on Board vereinfacht die Umsetzung der Maschinensicherheit und bringt noch einen weiteren Vorteil: Sie erhöht die Verfügbarkeit, weil es bei manuellen Eingriffen für den Formatwechsel genügt, gezielt einzelne Antriebe in einen sicheren Zustand zu versetzen, ohne die Maschine komplett auszuschalten.

Mit Druck in die Zukunft

Automatisiertes Jobhandling, das Umrüstzeiten derart verkürzt und auch den Druck kleiner Auflagen wirtschaftlich macht, kommt bei den Druckern gut an. Die Alprinta wurde mittlerweile über 60-mal in Druckhäusern installiert. Für Müller Martini ein Anreiz, die Zukunft des formatvariablen Offsetdrucks konsequent weiterzutreiben.

Für die neueste Maschinengeneration VSOP verwendet das Unternehmen erneut eine Automationslösung von Rexroth: die Ethernet-basierte Systemlösung IndraMotion for Printing – und die gibt es auch als Erweiterung für existierende Alprinta-Maschinen.