Marginale Spalte

Die Entdeckung der Stille

Juli 2012

 

Lärm schadet Mensch und Natur. Lange Zeit galt er jedoch als hinnehmbare Begleiterscheinung des Fortschritts. Nicht so bei Bosch Rexroth. Das Unternehmen investierte schon früh in die Entwicklung geräuscharmer Technologien und trägt damit bis heute zu einer leiseren Umwelt bei.

 
 

So ging Rexroth 1972 daran, den Schall schon bei der Entstehung zu verringern: Mitarbeiter mit einem Schalldruckpegelmesser (links), Schallmessraum (rechts).

Der Lärm im „Höllenhammer”, der von der Familie Rexroth 1795 in Betrieb genommenen Hammerschmiede, muss ohrenbetäubend gewesen sein: Mit voller Wucht schlugen die vom Wasser angetriebenen Hämmer im Takt auf die Werkstücke. Dabei entstammt dieses Beispiel der frühen Unternehmensgeschichte einer Periode, in der es noch verhältnismäßig ruhig zuging.

Mit der Industrialisierung wurde es zunehmend lauter: Das Stampfen der Maschinen, das Rattern und Fauchen der Eisenbahn und die Sirenen der Fabriken dominierten fortan auch bei Rexroth die alltägliche Geräuschkulisse. Robert Koch warnte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor den gesundheitlichen Folgen der Dauerbeschallung. „Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.“

Doch noch stand Lärm für Kraft, Stärke und Fortschritt und wurde deshalb in Kauf genommen. Erst 1974 wurde das Bundes-Immissionsschutzgesetz erlassen, um die zunehmende Belastung von Mensch und Umwelt durch Lärm einzudämmen. Bei Rexroth war das Thema zu dieser Zeit bereits angekommen: Schon 1971 hatte das Unternehmen seine „Flüsterpumpe“, eine geräuscharme Verstellzellenpumpe, vorgestellt. Viel Arbeit und Geld wurde seit dem in spezielle Schallräume und Geräuschlaboratorien investiert und die Entwicklung neuer Produkte vorangetrieben.

Mitte der 1970er-Jahre kamen geräuschreduzierte Axialkolbenpumpen und Hydraulikaggregate auf den Markt. Mit Schalldämmhauben für Pumpenaggregate, geräuscharmen Behälterkonstruktionen und der Gleitschuhlagerung bei Schrägachseneinheiten erzielten die Entwickler weitere Fortschritte.

Es wurde stetig leiser: am Arbeitsplatz, auf der Straße und sogar auf der Theaterbühne – in vielen Bereichen trägt Rexroth bis heute mit seinen Produkten zu einer leiseren Umwelt bei.

Ein Verdienst, für das das Unternehmen vor Kurzem wieder, gleich zweifach, ausgezeichnet wurde: 2011 erhielt es den renommierten INDUSTRIEPREIS für die Außenzahnradpumpe SILENCE PLUS. Der Geräuschpegel liegt um durchschnittlich 15 Dezibel unter dem konventioneller Pumpen.

Mit ihrem tieferen und angenehmeren Klang überzeugte sie auch die Jury der John Connel Awards, die das innovative Produkt im selben Jahr mit dem „Noise Oscar“ bedachte.