Schlanker Aufschneider

März 2015

 

Der neue Slicer von VC999 schneidet Käse und Wurst grammgenau und spart dabei jede Menge Platz, denn mit Antriebstechnik von Rexroth schrumpft der Schaltschrank drastisch.

Manchmal kommt es auf jedes Gramm an. Zum Beispiel im Kühlregal. Wiegt der abgepackte Käse- oder Wurstaufschnitt mehr, als auf der Verpackung steht, freut sich der Kunde, aber der Hersteller nicht. Denn in Summe verdient er weniger. Bei 100-Gramm-Packungen zum Beispiel muss die Lebensmittelindustrie laut Gesetzgeber das angeführte Gewicht zwar nicht mit jeder Packung erreichen, dieses Mindestgewicht im Chargendurchschnitt jedoch einhalten. Mit seinen Verarbeitungs- und Verpackungslinien sorgt der Schweizer Hersteller VC999 dafür, dass das gelingt. „Unsere Anlagen liefern Mittelwerte um die 100,05 Gramm“, berichtet Vertriebsleiter Manfred Achenbach, „und das bei hohem Tempo.“ Beim neuesten Schneidesystem, dem Slicer SL600, sollte zudem auf sperrige Schaltschränke so weit wie möglich verzichtet werden. Daher punkten die Maschinen aus Herisau mit einem neuen Konzept: Jeder Antrieb trägt seine Steuerelektronik huckepack. Das reduziert nicht nur den Platzbedarf im Schaltschrank, sondern vereinfacht auch Installation und Erweiterung der Anlagen – und spart so Kosten.

Clevere Antriebslösung spart Platz

Die dezentralen Servoantriebe IndraDrive Mi von Rexroth reduzieren den Platzbedarf für die Antriebstechnik der Maschinen deutlich. Denn die Regelelektronik sitzt auf jedem Antrieb und bildet so eine kompakte Einheit. Da sie aus dem Schaltschrank ausgezogen ist, reduziert sich dessen Größe deutlich. Dieser Aufbau spart aber nicht nur Platz, sondern vereinfacht gleichzeitig die Montage. Bis zu 30 IndraDrive Mi lassen sich an einem bis zu 200 Meter langen Kabelstrang hintereinanderschalten.

Je nach Anschlussleistung, Kabellänge und gewählten Optionen sind auch deutlich mehr Antriebe in Reihe möglich. Der Monteur steckt sie über einen Hybridstecker einfach auf die benachbarten IndraDrive Mi auf. Das erleichtert zudem die Erweiterung der Anlagen. Sollen beispielsweise auf die Verpackungen gleich Etiketten aufgebracht werden, wird das Maschinenmodul ergänzt und eingesteckt – fertig! Beim Slicer SL600 führt eine Hybridleitung für Leistung, Kommunikation und Safety durch die Anlage. Sie wird durch die angeschlossenen Regler hindurchgeschleift – aus einem kompakten Schaltschrank heraus. Die Steuerung und der Antrieb für den Messerkopf sind ebenfalls darin untergebracht. Durch die neuen Netz- und Versorgungsmodule der IndraDrive Mi Familie wird sogar ein komplett schaltschrank­loser Aufbau möglich. „Wir brauchen weniger Kabel, sparen Platz und reduzieren den Installationsaufwand“, bestätigt Achenbach.

Sparsam ist die neue Anlage auch beim Energieverbrauch: Die beim Bremsen erzeugte Energie geht nicht verloren – die Anlage nutzt sie zum Beschleunigen der Antriebe. Das verbessert die Energieeffizienz und reduziert gleichzeitig den Wärmeeintrag in die Produktion. Gerade in der Lebensmittelindustrie spielt das eine wichtige Rolle.

Schneller Schnitt

Bis zu 3.200 Scheiben Käse oder Wurst in der Minute schneidet der Slicer SL600. Dafür muss die eingesetzte Automatisierungstechnik einiges leisten. Denn Schnelligkeit, kurze Rüstzeiten und eine auf die Nachkommastelle genaue Positionierung sind die Hauptanforderungen der Lebensmittelhersteller. VC999 arbeitete darum eng mit den Appli­ka­tionsingenieuren von Bosch Rexroth zusammen. „Das gemein­same Entwicklungsprojekt stand vor der Heraus­forderung, hohe Dynamik und Präzision in Einklang zu bringen – und das Ganze über einzelne Module hinweg und zusätzlich synchron verknüpft“, sagt Achenbach.

Präzise positioniert

Damit am Ende präzise geschnittene Scheiben in der Verpackung landen, müssen Käse und Wurst vor dem Schneidmesser mit exaktem Vorschub bereitgestellt werden. Beim Nachladen von neuen Käse- und Wurststangen ist das besonders wichtig. Eine Inlinewiegezelle passt das Portionsgewicht entsprechend an. Für die nötige Dynamik sorgt das Funktionspaket FlexProfile, über das VC999 die elektronischen Kurvenscheiben programmiert. „Nicht viele Antriebshersteller können bei Betriebsmodi mit dieser Präzision und Dynamik fahren“, betont Achenbach. Der Vorteil der Rexroth-Lösung: Statt statischer Kurvenpunkte verkettet die Software eine Vielzahl von Bewegungsgesetzen und Übergangsbedingungen zu Profilen und lädt diese in die Steuerung.

Einfacher Einsatz

Viele komplexe Prozesse – von denen der Bediener aber nichts mitbekommt. Er steuert die Maschine über das neue Bedienterminal IndraControl V mit Multitouch intuitiv und einfach. „Einfache Bedienung sichert gute Ergebnisse“, betont Achenbach. Konkret heißt das: tausendfach exakt geschnittene Käse- und Wurstscheiben – platzsparend und bis auf das Gramm genau.

IndraDrive Mi

Rexroth bietet mit dem schaltschranklosen Antriebssystem IndraDrive Mi nicht nur eine Systemlösung für ein Maximum an Flexibilität und Effizienz für Maschinenbauer und -anwender, es revolutioniert auch den Verpackungsmaschinenbau durch beeindruckende Fakten:

  • Reduktion des Schaltschrankvolumens um bis zu 90 %
  • Reduktion des Verkabelungsaufwands um bis zu 90 %
  • Reduktion der Energieverluste im Schaltschrank um bis zu 90 %

Wie ist das möglich?

Das grundlegende Konzept von IndraDrive Mi ist die Ver­schmel­zung von Antriebselektronik und Motor zu einer integralen Einheit. Die nächste Entwicklungsstufe dieser innovativen Antriebs­plattform wurde erstmals auf der interpack 2014 vorgestellt und eliminiert konsequent die momentan noch im Schaltschrank befindlichen Netzversorgungskomponenten (Netzteile, Schütze, EMV-Komponenten).

Die Folge ist eine Evolution der Revolution:

0 % Schaltschrank, 100 % Flexibilität.