Aktive Wellenkompensation für einen Offshore-Kran

Aktive Wellenkompensation für einen Offshore-Kran
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November 2017

 

Erstmals hat Bosch Rexroth in den USA ein System mit aktiver Wellenkompensation geliefert, das für den Offshore-Kran von EBI, einem Hersteller von Hubschiffen, vorgesehen ist. Das Projekt war für beide Partner eine Herausforderung: sowohl in technologischer Hinsicht als auch aufgrund des engen Zeitplanes.

Elevating Boats, Inc. (EBI) wurde im Jahr 1949 als Universalreparaturdienst gegründet und avancierte durch die Entwicklung eines erhöhten Frachtkahns, der eine stabile Plattform für die Öl- und Gasindustrie im Golf von Mexiko bot, zu einem Hubschiffspezialisten. Heute ist das Unternehmen in Houma, Louisiana, ansässig, betreibt 26 Hubschiffe im Golf von Mexiko und ist laut seinem CEO Ken Serigne „der einzige Entwickler, Hersteller und Betreiber von Hubschiffen“. Ein Kunde wandte sich an EBI, weil er einen Offshore-Kran in Kastenbauweise mit Teleskoparm sowie aktiver Wellenkompensation (Active Heave Compensation AHC) der Hauptwinden benötigte. Da es sich dabei um ein neues Geschäftsfeld für EBI handelte, wurde Bosch Rexroth für den Auftrag unter Vertrag genommen. Es war das erste AHC-Projekt des Unternehmens in den USA.

Bevorzugte Technologie

Da AHC die Möglichkeit bietet, die Relativbewegung zwischen dem Schiff und dem Meeresgrund bei Offshore-Arbeiten auszugleichen, war sie die bevorzugte Technologie. Zudem erhöht die Technologie die Sicherheit, weil die Auswirkung der Wellenbewegungen auf die angehobene Last reduziert wird und ein dynamisches Windenantriebssystem mit Geschwindigkeits- und Drehmomentsteuerung der Hauptwinde zum Einsatz kommt. Bosch Rexroth lieferte ein Hydraulikaggregat, Komponenten, den Speicher, Windenhydraulikmotoren, Lasthaltungsverteiler, eine mobile Steuerventilbaugruppe und eine Steuerung. Der norwegische Partner Scantrol lieferte die AHC-Steuerungen.

Die größte Herausforderung bei diesem Projekt waren die zeitlichen Vorgaben. „Die Umsetzung dieses Projekts erfolgte wirklich beeindruckend schnell“, meint Joe Sabbia, Applications Engineer für den Bereich Marine & Offshore bei Bosch Rexroth. „Wir mussten schon in der Angebotsphase mit den detaillierten Ingenieursarbeiten beginnen. Das gesamte Projekt hätte normalerweise zehn Monate gedauert. Wir haben es in fünf Monaten geschafft.“ Diese schnelle Umsetzung gelang auch deshalb, weil ein vereinfachtes, effizienteres System mit einem hydraulischen Antriebskonzept mit offenem Kreislauf konzipiert wurde, einschließlich der mobilen Pumpe A15 VLO 280 mit hoher Leistungs-

dichte und des mobilen M7-Durchflussventils. Projektbeteiligte waren EBI, Bosch Rexroth und Scantrol, die zunächst eigenständig und dann zusammen daran arbeiteten, das Projekt fertig zu stellen. So konnte die fachliche Kompetenz der einzelnen Beteiligten genutzt werden, um am Ende die Ergebnisse rasch zu einem runden Ganzen zusammenzufügen.

An einem Strang ziehen

Alle Beteiligten lernten bei der Arbeit an diesem Projekt dazu. Ken Serigne: „Dieser erste AHC-Kran, der in den USA in Betrieb genommen wurde, ist ein gutes Beispiel für modernste Elektrosteuerungen, die in bestehende Hydraulikkonzepte integriert werden, um deren Leistung zu verbessern. Wir haben Ergebnisse erzielt, die wir erst für unmöglich hielten.“ Teamwork war dabei für den Erfolg dieses Projekts, für das die drei Partner an einem Strang zogen, entscheidend.

Der Kran wurde in Ponchatoula, Louisiana, gebaut und anschließend zur Installation und endgültigen Inbetriebnahme mit dem Schiff nach Singapur transportiert. Aktuell ist das Schiff im Mittelmeer in Betrieb. Der Kran unterstützt Offshore-Konstruktionen sowie Taucharbeiten. EBI sieht dies als wichtigen Erfolg für seine Öl- und Gasindustriegeschäfte an, jedoch auch als Möglichkeit, in andere Branchen und betriebliche Abläufe zu expandieren. Ken Serigne: „Dieser Kran eröffnet uns neue Möglichkeiten. Wir setzen ihn auf zahlreichen Schiffen weltweit ein und werden ihn auch für andere Arten von Bauprojekten auf dem Wasser nutzen können.“